Nicole4

Die vielen Ge-   sichter von      Nicole...       Mit dem Song “Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund” fing alles an. Damals war Nicole 16 Jahre alt. (Foto mit Gitarre) Am 24. April 1982 gewann sie mit dem Ralph- Siegel-Song  “Ein bisschen Frieden” den Grand-Prix in Harrogate. Danach jagte ein Erfolg den an- deren - bis heute. Nicole hat un- zählige Preise bekommen. In diesem Jahr fei- ert die Saarlän- derin ihr 20- jähriges Bühnen- jubiläum. Ein Grund mehr, um mal eine kleine Auswahl ihrer Autogramm- Karten zu drucken.           Im April kommt ihre neueste CD mit dem Titel “Kaleidoskop” auf den Markt.

Manche trafen noch nicht einmal einen Ton. Der Auftritt von Zlatko beim´Grand-Prix-Vorentscheid ver- gangener Woche war zum Aufheulen. Seine Darbietung in Hannover war so melodisch wie das grelle Geräusch eines Zahnarztboh- rers. Und leider ließ Rudolph Moshammer nicht seine Hündin Daisy singen. Tröstlich, dass mit dem Sieg von Michelle wenigstens der deutsche Schlager gewonnen hat. Doch nach diesem Grand-Prix-Vorentscheid hilft nur noch die Erinnerung an die Glanzzeit des europäischen Sänger- wettstreits: Als Nicole 1982 im englischen Harrogate mit dem Song “Ein bisschen Frieden” als erste Deutsche überhaupt den internationalen Gesangs-Wettbe- werb für sich entschied. Wenig- stens hat ein Lied gewonnen, das als solches erkenn- bar ist. Und mich freut, dass die Interpretin auch noch singen kann.” Treffpunkt Landhaus in Neunkirchen/Nahe. Nicole nippt an ihrer Tasse Kaffee. “Guildo Horn und Stefan Raab fand ich noch lustig. Aber wenn der Grand-Prix zu einer ”reinen Klamauk-Veranstaltung verkommt, vergeht mir das Lachen.” Nicole ist eine selbstbewusste Frau. Sie hat sich dezent geschminkt, heller Puder, orange-roter Lippenstift. Die Haare trägt sie etwas kürzer und glatter als sonst. Die Sängerin: “Die Entwicklung in der Musikbranche muss einen nachdenklich stimmen. Mir tun die Künstler Leid, die wirklich etwas können. Die haben doch in einer Zeit, in der ,Big-Brother”- Kandidaten die Plattenverträge bekom- men, kaum mehr eine Chance.” Erinnert sie sich noch oft an den Tag, an dem sie 1982 als 17-Jährige

Ein Kleid, das    Erinnerung en weckt...    Ihren Grand-Prix- Auftritt hat Nicole das letzte Mal vor drei Jahren gesehen. “Das Videoband fiel mir beim Umzug in die Hände.” Das Kleid passt Nicole übrigens heute noch.

den Wettbewerb gewann? “Natürlich. Der Grand-Prix war das heraus- ragendste und einschneidendste Ereignis in meiner beruflichen Laufbahn. ” Was für Erinnerungen schießen der 36-jährigen durch den Kopf?  Empfindet sie das Herzklopfen vor dem Grand-Prix- Auftritt wieder nach? Denkt sie an die anschließende Jubelfeier?  Blitzschnell antwortet Nicole: “An alles. Man denkt an die ersten Proben, an die Auswertung am Abend selbst, an die Wiederholung des Siegertitels, als ich mich spontan entschlossen habe, ihn in mehreren Sprachen zu singen.  Und dann natürlich an die Wochen danach, die anstrengend, aber auch sehr schön waren.Beiläufig erwähnt sie, dass ihr beinahe schon legendäres schwarzes Grand-Prix-Kleid mit den weißen Punkten noch in ihrem Schrank zu finden ist. “Es passte damals  zu meinem Typ. Heute wäre ein solches Kleid natürlich undenkbar für mich.” Es passt Nicole übrigens noch. Sie wiegt bei einer Größe von 1,61 Metern nur 49 Kilo. Dieses Gewicht hält sie schon seit Jahren. Die Sängerin, die als 16-Jährige mit dem Lied “Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund” ihre Karriere startete, trainiert täglich an Fitnessgeräten.

Was sie sich vorgenommen hat, setzt sie um. Ihre Devise:

“Immer sich selbst treu bleiben. Nie hätte ich etwas gesungen, hinter dem

ich nicht stehe. Ich glaube, das Publikum spürt, wenn man ehrlich ist. Nur so akzeptiert es auch musikalische Weiterentwicklungen.” Ihre Songs sind in all den Jahren rockiger, aber auch einfühlsamer geworden. Mittlerweile schreibt Nicole manche ihrer Texte selbst, spricht in ihren Liedern auch sozialkritische Themen wie Drogenkonsum an. Die Medien stecken die zierliche Frau allerdings nach wie vor in die Schlagerschublade. Das ärgert sie. Und der Star wünscht sich da mehr Toleranz. Die Saarländerin kritisiert auch das Formatradio, das deutsche Musik in immer kleinere Nischen dränge.

Das Leben im Saarland ist für die 36-Jährige unverzichtbar. “Ich kann mir gar nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Ich brauche keine schillernden Partys in München oder Hamburg, wo zwangsläufig Drogen auftauchen.” Diese Bodenständigkeit hilft Nicole, mit der Härte des Showgeschäftes gut umgehen zu können. Von Missgunst und Neid bleibt dort keiner verschont. “Dann ist es wichtig, dass dich dein Umfeld auffängt. Natürlich hatte ich auch falsche Freunde in der Branche. Es tut schon weh, wenn du merkst, dass sich eine vermeintlich gute Freundin ärgert, weil du in einer Sendung als Topact angekündigt wirst und nicht sie.”

Nicoles Karriere begann mit Schallgeschwindigkeit, auch ihr Eheleben. Galt sie nach dem Grand-Prix-Sieg noch bei jeder Omi als Vorzeigekind, trübten nur zwei Jahre später Schlagzeilen über ihre Schwangerschaft vor der Hochzeit das Image der Sauberfrau. “Winfried und ich hätten früher oder später sowieso geheiratet. So habe ich eben alles in einem Jahr erlebt: Abitur, Hochzeit und Geburt”, erklärt sie lachend. Tochter Marie-Claire ist heute 16, Töchterchen Joëlle drei Jahre alt. Wie hat Nicole es geschafft, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen? “Das ist eine Frage der Stärke und des Familienrückhalts. Ohne Omi und Opi hätte ich das nicht geschafft. Wir leben wie eine Großfamilie, fast alle wohnen in einem Ort. Auch meine Schwester und die Schwägerin. Ich musste nie ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich weg war.” Ehemann Winfried begleitet die Sängerin zwar bei vielen Terminen, hat seinen eigenen Beruf aber nie aufgegeben. Er arbeitet als Kraftfahrzeug-Sachverständiger. “Das ist sehr wichtig. Er ist nicht ,Herr Nicole”.”

Am 12. Mai wird die Saarländerin natürlich vor dem Fernseher sitzen und Michelle beim Grand-Prix in Kopenhagen die Daumen drücken. Spätestens dann wird sie sich wieder an ihren Grand-Prix-Auftritt erinnern. “Diesen Sieg kann mir keiner mehr nehmen”, sagt sie und lehnt sich entspannt zurück.

Am Sonntag tritt Nicole in der Saarbrücker Congresshalle auf. Das Konzert ist ausverkauft. Am 1. November gastiert sie dort wieder. Dann mit ihrem neuen CD-Programm “Kaleidoskop”. Karten gibt es unter (06 81) 5 02-55 22.

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 10.03.2001, Text: Monika Liegmann

Nicole, Nicole2, Nicole3 , Nicole, Ehrenbürgerin in Nohfelden