Mit Charme und Verve meistert Nicole auch heikle Themen...
“Entwickele mich immer weiter” - Kritische Worte über Werbung für Sex am Telefon - “Würde nochmal beim Grand Prix antreten” - Konzert am 18. November in Türkismühle Kritisch, bissig, pointiert: Wer Nicole als Schlagersternchen betrachtet, wird sich verwundert die Augen reiben. Die Grand-Prix-Gewinnerin fordert in ihren Liedern mehr als “ein bisschen Frieden”.
Türkismühle (iz). Immer noch verbinden viele Saarländer mit Nicole das Bild des
jungen blonden Mädchens, das einst mit dem Welthit “Ein bisschen Frieden” den Grand Prix d‘ Eurovision für Deutschland
gewonnen hat. Doch Nicole hat sich über ihren Wunsch nach Frieden hinaus zu einer vielfältigen, reifen Künstlerin entwickelt, die bei ihrem Abschlusskonzert für dieses Jahr den Saarländern
ihre “Visionen 2000” vorstellen wird. Wenn Nicole am Samstag, 18. November, im Schulzentrum Türkismühle gastiert, werden viele Zuhörer erstaunt
den Saal verlassen. Neben ihren Klassikern “Ein bisschen Frieden” und “Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund” wird sie Titel aus ihrem derzeitigen Album “Visionen” vorstellen, das auch
brisante aktuelle Themen behandelt. Dabei traut sich Nicole an Titel wie “Sex am Telefon” heran, die man ihr
früher möglicherweise noch übel genommen hätte, weil dieser Titel nicht der Vorstellung der kleinen Friedenssängerin entspricht.
Dieses Lied setzt sich auf witzig ironische Art und Weise mit den lästigen Werbeunterbrechungen
auseinander, die Fernsehzuschauer des Spätprogramms dazu auffordern, leicht bekleidete stöhnende junge Frauen zu vorgerückter Stunde anzurufen. Begleitet wird dieses Lied mit einer Videoinstallation zu besagten Werbespots und mit einem
Live-Anruf bei einer solchen Liebeshotline. Nicole spri
cht allen aus der Seele, die sich selbst durch diese Werbebelästigung gestört fühlen. Auch
musikalisch versteht sich Nicole nicht als “Schlagersternchen”, sondern möchte ihr Publikum durch anspruchsvolle, einfühlsame und autobiographische Texte an ihre Visionen heranführen, wie
sie im Gespräch mit der “Saarbrücker Zeitung” unterstreicht.
Bei ihren raren Auftritten im Saarland fühlt sich Nicole noch
eine Spur nervöser als bei Konzerten fern ihrer Heimat. “Das liegt daran, dass vielleicht der Bäcker, der Metzger oder einfach Menschen, mit denen man aufgewachsen ist, die einen gut
kennen, in der ersten Reihe sitzen.” Dass sie nach fast 20 Jahren immer noch mit “Ein bisschen Frieden” identifiziert wird, stört die zweifache Mutter nicht. “Wieviele Künstler gibt es, die mit keinem Lied identifiziert
werden können? Für mich ist “Ein bisschen Frieden”, wie Dieter Thomas Heck einmal gesagt hat, eine klingende Visitenkarte. Man kann sie beliebig variieren, indem man sie in verschiedenen Farben, Größen oder Schriftarten druckt. Ich
habe mich in meinen Liedern stets weiterentwickelt, und das werde ich in zehn Jahren wahrscheinlich noch tun”.
Auf die Frage, ob man noch berufliche Visionen hat, wenn man Preisträgerin so vieler Auszeichnungen
ist (einzige deutsche Grand Prix-Gewinnerin, mehrere Goldenen Stimmgabeln, Echo), antwortet die zierliche Saarländerin aus Neunkirchen an der Nahe: “Ich habe am häufigsten bei der ZDF-Hitparade gewonnen und
würde mich sehr über einen Sieg bei der letzten Sendung im November freuen.” Auch gegen eine zweite Teilnahme beim Grand Prix d‘ Eurovision hätte die Künstlerin nichts
einzuwenden. “Wenn 90 Prozent der ,Bild”-Leser sagen würden, ,Nicole bitte geh” und dann mit Direktmandat, würde ich versuchen, wieder den Grand Prix für Deutschland zu gewinnen. International kann man die Länder halt nicht mit
,Wadde hadde du de da” überzeugen.”Die breite Vielfalt ihres Schaffens will Nicole denn auch in Türkismühle, zusammen mit ihrer Band, dem Chor, der Technik und einer Licht-Crew präsentieren. Die Konzertbesucher dürfen sich auf
harmonische Melodien, lustig ironische Texte, schöne Balladen und Chansons freuen. Neben den aktuellen Titeln wird gegen Ende ein Feu
erwerk der älteren Hits sprühen. Passend zum Konzerttitel “Visionen 2000 -
Nicole Live & Band” bietet ihr Programm mit Nebel, Pyrotechnik und verschiedenen Lichtstimmungen außer dem Hörerlebnis auch einen Augenschmaus, verspricht die Sängerin ihren Fans. Wer keine Karte mehr für Nicoles
Konzert in Türkismühle ergattern kann, darf sich auf kommenden März freuen, denn dann wird die Künstlerin einen weiteren Auftritt
mit diesem Programm in Saarbrücken gestalten.
