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Türkismühle. Bei diesem Konzert in Türkismühle ist alles anders. Leichter und schwieriger zugleich. Angenehm und beruhigend kurz ist Nicoles Weg vom heimischen NeunkirchenlNahe auf die Bühne in der Halle der Gesamtschule. Doch die Nähe beunruhigt auch, denn die meisten Menschen da unten in den voll besetzten Sitzreihen vor der Bühne erwarten nicht nur den "Star" da oben, den man sonst nur von der Mattscheibe kennt. Sie warten meistenteils auch auf die Nohfelder Mit - und Ehrenbürgerin Nicole, der man da und dort auf der Straße begegnet. “S Nicole in Terggemill" -dieser Termin hat ein anderes Gewicht im Toumeeplan der Künstlerin als Auftritte in Castrop - Rauxel oder Emden. Bei einem "Heimspiel" kribbelt es eben ganz besonders. Die Tour unter dem Motto “Kaleidoskop -20 Jahre" war für Nicole eigentlich bereits im Dezember 2001 zu Ende. Fehlte nur noch diese letzte Station vor heimischer Kulisse. Das ist nicht zu spät: Denn im April dieses Jahres wird es 20 Jahre her sein, dass die damals 16-jährige Nicole im englischen Harrogate mit “Ein bissehen Frieden" den bisher einzigen deutschen Sieg beim Grand Prix Eurovision de la Chanson verbuchen konnte. Andererseits ist es nun über 20 Jahre her, dass sie mit dem Titel Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund" in der nationalen Grand-Prix-Vorentscheidung scheiterte, gleichsam aber bundesweit zum ersten Mal die damalige Schlagerszene aufhorchen liess. Und irgendwie sind die beiden Anfangserfolge bis auf den heutigen Tag bestimmend für alles gewesen, was danach kam. Das "bisschen Frieden" katapultierte das Schulmädchen in den Schlagerhimmel, während der "kleine “Freund" die Bodenhaftung wahrte. Dazu bekennt sie sich auch heute noch, und beide Lieder gehörten folgerichtig auch in Türkismühle ins Programm. Dass es Kolleginnen und Kollegen in der Branche gelegentlich anders handhaben und sich mit zunehmendem Lebensalter von ihren Anfangserfolgen und deren Inhalten distanzieren, kann sie nicht nachvollziehen: Wenn sie heute sagen, dass das Lied Sch ... ist, dann war es wohl damals schon Sch ...". "So viele Lieder" sind die ihren. So viele, dass es im Rückblick auf 20 Jahre die größten Probleme bereitete, die passenden sorgfältig auszusuchen und dafür auf andere zu verzichten. Doch bei aller Planung kann es anders kommen. Dann etwa, wenn spontan ein junger Rapper vor der Bühne auftaucht und das Feld erst räumt, nachdem er seinen sorgsam eingeübten Sprechgesang vorgetragen hat. Darauf findet Nicole gemeinsam mit der hervorragenden Band sofort eine musikalische Antwort. Das kommt beim Publikum an. Es kann im Verlaufe des kurzweiligen Abends miterleben, wie sich Nicole von der puren Sängerin vorgefertigter Melodien und Texte zur Entertainerin wandelt und mit flotten Sprüchen gekonnt durch die eigene Vergangenheit in die Gegenwart führt. Die Sängerin, die sich kategorisch jeder Einordnung in jedwede Schublade verweigert, hat weiter an Statur gewonnen. Das erlaubt es ihr, auch Lieder in Englisch oder Italienisch vorzutragen -ohne dass es jemals von ihr ein deutsches Gegenstück gegeben hätte Deutsche Vergangenheit -auch dazu ein Lied für die Gegenwart: “Blinder Hass, rechter Kult. Wer jetzt schweigt, der ist schuld ..."
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