Neues vom Bostalsee5

"Ballonfahren macht einfach süchtig"

- In 1500 Metern Höhe sieht man die Welt mit anderen Augen -

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”, hat Reinhard Mey einmal gesungen. Über den Nebelschleiern des Bostalsees, auch mag man da hinzufügen. Eindrücke der ersten Ballonfahrt.

Platz an der Sonne Dünne Nebelschleier liegen am frühen Freitagmorgen über dem Bostalsee und den  Tälern des St. Wendeler Landes. Kaum haben die Ballone diese durchbrochen, empfängt sie strahlender Sonnenschein. Während einige Ballone schon in der Luft schweben, machen sich andere am Boden für den Start bereit. Mehr als 50 Ballone beteiligen sich am Internationalen Wagner- Heißluftballon- Treffen, 25 gehen am Freitagmorgen in die Luft.

 

- Von VOLKER FUCHS -

Freitagmorgen gegen sieben Uhr. In 1500:Metern Höhe sieht man die Welt mit ganz anderen Augen. In der Ferne rauchen die Schornsteine der Kraftwerke an der Saar. Der Bostalsee und die Täler des St. Wendeler Landes liegen unter einer dünnen Nebelschicht. Die Hügel und Höhen ragen klar und deutlich aus dem grauen Schleier heraus. Häuser und Autos sind zu Modellbaugröße geschrumpft. 35 Kilometer Fernsicht. Ich weiß gar nicht, wo ich überall hinschauen soll, kann mich nicht satt sehen. HerrIich. Meine erste Ballonfahrt.

Eine Stunde zuvor. Lagebesprechung im Festzelt am Bostalsee. Dort findet seit Vatertag bis Sonntag das Internationale Wagner- Heißluftballon- Treffen statt. Mehr als 50 Ballone sind vor Ort, am Freitagmorgen gehen 25 in die Luft.  Organisator Klaus Morgenstern von der Ballon- Sportgruppe  "A.Li.Be.Bi” weist die Piloten ein. Man kennt sich untereinander, plaudert und ist guter Dinge.  Die Wetterbedingungen sind ideal. Morgenstern scherzt: ,,Kein Regen, kein Gewitter - und kein Schnee.” Die Fahrt wird in Richtung Birkenfeld gehen. Die Fahrgäste haben sich angemeldet, werden auf die einzelnen Ballon- Teams verteilt. Auf der großen Wiese hinter dem Festzelt haben sich die ersten bunten Hüllen schon aufgerichtet. Unser Pilot Jörg Krause zieht mit seinen Teamkollegen Arite und Jürgen Berthold den Korb aus dem Anhänger seines Ballons. Die Ballon- Crew hat mit 810 Kilometern eine weite Anreise hinter sich. Die drei kommen aus Kamenz in Sachsen. Die 24 Meter lange gelbe Hülle wird ausgerollt Drahtseile verbinden sie mit dem Korb.

Ein Gebläse bläht sie auf. Dann feuert der Brenner heiße Luft in den Ballon der sich langsam aufrichtet An einem digitalen: Thermometer ist die Innentemperatur abzulesen. "Wenn wir 90 Grad erreicht haben, heben wir ab”, sagt Pilot Krause. Um uns herum sind die ersten Ballone schon in der Luft. Auch wir klettern hinein. Und los geht es.

Sanft steigen wir an. Viele Ballone bleiben in Bodennähe. Wir nicht  Wir steigen bis auf etwa 1587 Meter über dem Meeresspiegel. Denn wir haben einen besonderen Gast an Bord. Martin

Petry, Fallschirmspringer‚ des FSV Saar aus Eimersdorf. Er fährt zum ersten Mal mit einem Heißluftballon, wird aber nicht mit diesem landen.

In 1500 Metern Höhe setzt er sich auf den Rand des Korbes. ,,Und Tschüß”, ist sein letzter Kommentar. Dann ist er weg. Ein kleiner Punkt, der rasend schnell in die Tiefe saust. Dann öffnet sich der Fallschirm und gemächlich segelt er auf die Erde zurück. ,,Fallschirmspringer an der Landstraße Richtung Birkenfeld gelandet. Bitte aufnehmen, ”kommt kurz darauf eine Mitteilung an die Begleitfahrzeuge auf der Erde aus unserem Funkgerät.   Mit diesem halten auch wir Kontakt mit unseren "Verfolgern”, dem Auto samt Anhänger, das nach der Landung uns und den Ballon einsammeln soll.

Ganz schön heiß hier oben. Dicker Pullover und dicke Jacke hätte ich eigentlich nicht gebraucht. Der Brenner, den Pilot Jörg Krause immer wieder zwischen lässt, ist eine erstklassige Heizung. Der Ballon sinkt auf wenige hundert Meter. Menschen winken uns zu. Autos fahren langsamer. So manchem könnte mal beim Frühstück auf der Terrasse zu schauen. Allerdings sitzen kaum Familien draußen.   Es ist noch zu früh. Warum starten Ballone eigentlich am frühen Morgen oder am Abend? Wegen der fehlenden Thermik, erklärt unser Pilot. Die ist nämlich am frühen Morgen nicht da, weil die Sonne die Erde noch nicht, aufgewärmt hat. Und abends klingt sie ab. Aufwind können Ballonfahrer also nicht gebrauchen, lernen wir. Jürgen Berthold greift zu einem Beispiel: "Wenn Ballone und Segelfliege gleichzeitig in der Luft sind, dann hat einer etwas falsch gemacht.”

Ganz gemächlich schaukeln wir an Birkenfeld vorbei. Pilot Krause sucht; nach einem Landeplatz. Möglichst in der Nähe einer Straße, damit uns unser Begleitfahrzeug abholen kann. Ganz dicht streichen wir über Baumwipfel. "Baumknacken” sagt Jürgen Berthold. Ich breche mir einen kleinen Buchenast ab. Als Andenken. Jörg Krause hat einen Landeplatz ausgemacht, links eine Wiese, rechts eine Kuhweide, in der Mitte eine asphaltierte Nebenstraße. Auf der wir landen. Ein kleiner Hopser, und der Ballon steht fest auf der Erde. Die Kühe schauen ebenso verdutzt, wie ein Autofahrer, der langsam an unser Luftfahrzeug. heranfährt. Bärbel Frohnhöfer, Yvonne Schichtel und Petra

Jeder Handgriff sitzt         Bei den Startvorbereitungen am Boden, muss bei den Teams jeder Handgriff sitzen. Zunächst wird die Ballonhülle mit kalter Luft aufgeblasen. Dann wird die Luft erhitzt, und der Ballon richtet sich auf.

Über dem St. Wendeler Land Die Finger immer am Auslöser des Brenners sorgt Pilot Jörg Krause, links, für eine angenehme Erstlings- fahrt von “SZ”-Redaktions- leiter Volker Fuchs, der möglichst bald in die Luft gehen will.

Ein richtiger Luft-Zug Diese riesige Lokomotive ist ein Blickfang beim Heißluft- Ballon-Treffen. Der luftgefüllte Orientexpress schwebt hier über den Bostalsee. Der Korb mit den Fahrgästen erscheint im Vergleich zum Ballon winzig.

           Abkühlung              Wer trinkt Cola nicht am liebsten gut gekühlt? Einem riesigen Turm ähnelt diese Cola-Flasche, eine der sogenannten “Sonderformen” beim Ballon- Treffen. Hier macht sich der Pilot einen Spaß und berührt mit dem Korb das Wasser.

Ballonfahrergebet

Ehre sei Gott in der Höhe, der den Himmel hat so weit bestellt, er schuf den schönsten Teil der Welt und gab damit sein Wissen kund, damit nicht jeder Lumpenhund, mit denen die Erde so reichlich gesegnet, uns edlen Ballönern dort oben begegnet.

Zuschauermagnet    Tausende Zuschauer verfolgen am Donnerstagabend die Starts und die Fahrten der Ballone. Dicht gedrängt stehen die Menschen rund um den abgesperrten Startplatz. Zum Gelingen trägt auch das abwechslungsreiche Rahmenprogramm im und rund um das Festzelt bei. Ein gelungener Auftakt der Saison am Bostalsee.

Gummelt, sie sind unser Bodenteam, sind auch schon, da. Gemeinsam wird in ein paar Minuten der Ballon in einem großen Sack versteckt, alles im Anhänger verstaut. Rund um Birkenfeld geben auch die anderen Ballone nieder.

Wir fahren zurück zum Bostalsee. Dort adelt Pilot Jörg Krause den Autor dieser Zeilen. Er heißt jetzt Graf Volker zu Birkenfeld, tollkühner Ballonpirat der Wipfel und Eroberer der Asphaltstraße bei Birkenfeld. Als Zeichen der Erhebung in den Adelsstand zündet Krause ihm ein paar Haare an und Iöscht diese mit Sekt.  Der Magen grummelt. Ballonfahren macht hungrig. Froh und voller Eindrücke versammeln sich die Teams mit ihren Gaesten im Festzelt zum Frühstück.

Alle freuen sich schon auf den nächsten Start. Wie sagt ein Fahrgast:  ,,Ballonfahren macht einfach süchtig."

Quelle: Saarbrücker Zeitung 03.06.2000

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