



Auch das SEE-Hotel-Weingärtner steht ganz im Zeichen des THW. Chefkoch Peter Ballbach kocht für 2500 hungrige Mägen


Die Gulaschkanone bleibt diesmal kalt...
Peter Ballbach, Küchenchef des SEE-HOTELS Weingärtner, ist ins THW-Küchenzelt umgezogen
Lieferanten aus der Region
Bosen (be). Wenn es denn gewünscht wird, nimmt Peter Ballbach auch schon mal seinen Edelstahl-Gasgrill samt feinem Tafelservice und Silberbesteck und begibt sich damit - was auch schon einmal geschehen ist - auf einen Parkplatz unter einer Autobahnbrücke. Im Nu verwandelt er damit die Szenerie in einen Landgasthof der gehobenen Kategorie und serviert Crevetten, Hummer, Lachs und Filetsteak vom Grill - wohlversehen mit verschiedenen feinen Beilagen.
Ballbach ist der Küchenchef im Bosener Seehotel Weingärtner und nimmt, was seinen Beruf betrifft, eigentlich jede Herausforderung an. Und so stellt er sich jetzt in den nächsten Tagen einer ganz besonderen Aufgabe: Er tauscht seinen Arbeitsplatz in der gut ausgestatteten und übersichtlichen Hotelküche mit einem neuen Einsatzort, dem großen Küchenzelt des Technischen Hilfswerkes auf der Festwiese am Bostalsee. Vier weitere Hotelköche bringt er dabei gleich mit und den Rest des Personals stellt das THW. Anstatt für maximal über 200 Gäste ist Ballbach nun eine Woche zuständig für die 2000 Kinder und Jugendlichen, ihre Begleiter und Gäste, die es zum
9. Bundesjugendlager der THW-Jugend ins St. Wendeler Land schon gezogen hat oder noch ziehen wird.
„Das ist eine große Herausforderung“, meint der Spitzenkoch, „aber ich freue mich auf diese interessante Aufgabe.“ Diese Herausforderung in Zahlen, geschätzt vom THW, bedeutet: Mindestens 12.500 Frühstücke müssen bis zum 7. August vorbereitet werden, mindestens 13.000 Mittagessen werden verspeist und 13.500 Abendessen sind einkalkuliert. Dazu bedurfte es im Vorfeld bereits einer längeren Planungs- und Vorbereitungsphase. Dabei habe
Reis, Fleischklöschen und Gemüse... Über 2500 hungrige Mägen müssen beim Bundes- jugendlager des THW am Bostalsee täglich dreimal gefüllt werden und das diesmal ganz ohne Einsatz der Gulaschkanone. Chefkoch im großen Küchenzelt ist Peter Ballbach vom Seehotel Weingärtner, der von zwei seiner Köche und dem Küchenteam des THW unterstützt wird. Foto: ATB
vor allem die Frage im Vordergrund gestanden, was man so alles anrichten könne, erzählt Ballbach im Gespräch mit der „Saarbrücker Zeitung“. Zu bedenken war dabei nicht nur die mutmaßliche Zahl der hungrigen Mägen, sondern auch der Umfang des Etats, denn die Vollversorgung pro Person und Tag durfte einen gewissen Preisrahmen nicht überschreiten!.
So machte sich Ballbach zusammen mit THW-Verpflegungsexperte Gerd Schlosser an die Arbeit und stellte einen Menüplan zusammen, der auch am Sonntag, wo allein mit 3.300 Mittagessen gerechnet wird, ohne den klassischen Eintopf aus der THW-eigenen „Gulaschkanone“ auskommt. Dabei hätte das Technische Hilfswerk, so wird ausdrücklich betont, durchaus die Möglichkeit im Notfall bis zu 100.000 Personen aus der Feldküche rundum zu versorgen. „Wir wollten hier bewusst einen anderen Weg gehen, und örtliche Betriebe mit einspannen. Das hat auch Kostengründe“, betont Erhard Müller, der als Kreisbeauftragter des
St. Wendeler THW mit in der Rolle des Gastgebers ist und von Beginn an die Planungen begleitete.
Dabei könne man sich glücklich schätzen, dass es Unternehmen wie das Seehotel Weingärtner und andere im Kreis gebe, die bei diesem Konzept sofort mitgezogen hätten.
Die Aufgaben vor denen das Küchenpersonal steht, sind alles andere als alltäglich: Allein beim beim Frühstück werden täglich 100 Kilo Aufschnittwurst verputzt. 8000 Brötchen gehen schon mal drauf, wenn es gilt Lunchpakete zusammen zu stellen und an einem Tag braucht man zusätzlich bis zu 7.000 Scheiben Brot vom Frühstück bis zum Abendessen. 45.000 Brötchen und 500 Brote hat Peter Ballbach bei einer Söterner Bäckerei geordert. Die Wurst liefert eine Metzgerei in Otzenhausen. Als Mittagessen gibt es mal Chili con carne, mal Hackfleischbällchen in Kräutersoße oder auch Sahnegeschnetzeltes. Vieles wird vor Ort im Küchenzelt oder nur einen Steinwurf weit davon entfernt in der Bosener Hotelküche zubereitet.
Gelegentlich bedarf es aber auch der Nachbarschaftshilfe. So wie an dem Tag, an dem gefüllte Kohlroulade auf dem Speiseplan steht. Die aufwändig herzustellenden Krautwickel besorgt in diesem Fall Richard Bard mit seinem Theleyer Catering-Unternehmen.
Erfrischungsgetränke aller Art lagern bereits in großen Kühlcontainern auf dem Gelände am See und können, wie bei anderen Festen auch üblich, jederzeit nach Bedarf nachgeordert werden. Tee und Kaffee bereiten die THW-Küchenhelfer selbst zu. Wobei gerade auch beim Morgenkaffee nicht gerade haushaltsübliche Mengen aufgewendet werden: Man nehme hierzu 400 Liter Wasser, gebe sie in den Tank einer einzige Kaffeemaschine, lasse anschließend dieses Wasser köcheln und brühe damit in einem Durchlauf zwölf Kilo Kaffeepulver auf. Fehlt dann für Sonntag, dem mit Spannung erwarteten Tag des THW-Jugendwettkampfs, nur noch der Kuchen. Den liefert allerdings keine Konditorei. Alle saarländischen THW-Ortsvereine wollen an diesem Tag mit je 20 eigenen Backwerken zum Gelingen der sonntäglichen Kaffeetafel beitragen. Sieht so aus, als hätte der Koch an diesem Nachmittag mal frei. Die Zeit wird er nutzen, in der Hotelküche nach dem Rechten zu sehen. Denn die bleibt trotz THW-Einsatz nicht kalt.
Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 02.08.02
