IX. Bundesjugendlager am Bostalsee    (12)

Äpfel knabbern im Akkord...

Mut, Geschicklichkeit und schnelle Reaktion sind bei der Lagerolympiade des Bundesjugendtreffs des THW gefragt

Geschickt gefragt... Bei der Lagerolympiade des THW- Jugend- zeltlagers am Bostalsee konnten die Jugendlichen so richtig zeigen, was in ihnen steckt. Zum Beispiel einen Apfel im Wassereimer abknappern, Tischtennisbälle durch einen Feuerwehrschlauch drücken oder Kisten zu hohen Türmen stabeln. Spaß war immer dabei.  Foto: ATB

Bosen (ara). Vor der hohen Kletterwand türmen sich rote Getränkekisten. Gut gesichert an einem dicken Seil thront ein Junge ganz oben auf dem wackeligen Kistenturm, der jeden Moment umzustürzen droht. Ganz vorsichtig wechselt der Kletterkünstler seine Position und kniet sich im Zeitlupentempo auf den Plastikboden der umgedrehten Kiste. Eine Bewegung zu schnell, und die sechzehn Kisten, die er ordentlich aufeinander gestapelt hat, um sich immer weiter nach oben zu bewegen, könnten krachend in sich zusammenstürzen. Dann nämlich würde der Junge an dem Sicherungsseil baumeln und für einen kurzen Moment in der Luft schweben.
Aber nichts dergleichen geschieht. Die Mannschaft feuert den Jungen kräftig an, und der Längste und Kräftigste aus der Gruppe

wirft noch eine weitere Kiste nach oben. "Das ist eine unserer zehn Disziplinen, die die 27 gemeldeten Mannschaften, jeweils zu acht Kindern und Jugendlichen, bei der Lagerolympiade meistern müssen", erklärt Holger Faust vom Ortsverband Großumstadt und Leiter der Olympiade, den Sinn des Nervenkitzels Kisten stapeln. Die Mannschaft, deren Auserkorener die meisten Kisten zum Turm stapeln kann, bekommt auch die meisten Punkte.
Diese Umstände erklären denn auch die "blaue T-Shirt Invasion" mit den drei fetten weißen Lettern "THW" an diesem Morgen auf der großen Rasenfläche neben dem Spielplatz am Bostalsee.
"Die Olympiade ist eine ständige Einrichtung auf unseren Bundesjugendlagern", erzählt Faust. "Die Teilnahme an der Lagerolympiade, wie an allen anderen Angeboten auch, ist freiwillig. Die beste Mannschaft wird am Dienstag, nach Abschluss des zweiten Lagerolympiadentages, mit einer Siegerehrung gewürdigt", fügt er hinzu.
Plötzlich kracht es, der rote Turm fällt polternd in sich zusammen und der tapfere Kistenstapler wird mit großem Jubel empfangen, nachdem er die Erde wieder unter seinen Füßen spürt.
Direkt nebenan wird "gerettet", und das einmal ganz anders. Es werden nämlich keine Verletzten auf der grünen Tragbahre transportiert, sondern lediglich ein großer Eimer, der bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist. Aber Achtung. So einfach, wie es sich jetzt vielleicht anhören mag, ist es bei genauem Hinsehen dann doch nicht. Zwei Jungs versuchen die Bahre, auf der der schwere Eimer gefährlich hin und her rutscht, ohne viel Wasser zu verlieren, durch den Parcours zu befördern: Unter Tischen, über Bänke. Am Ziel wird gemessen, um wie viel ärmer an Wasser der Eimer während des Hindernislaufs wurde. "Dieses Spiel war im vergangenen Jahr Teil des Bundesjugendwettkampfes", erklärt Faust. "Die Kinder und Jugendlichen können dabei beweisen, ob es ihnen gelingt, ohne Erschütterungen zu bergen, was bei verletzten Personen sehr wichtig ist", fügt er hinzu. Durch ein Feuerwehrschlauch muss im Eiltempo ein kleiner Tischtennisball gedrückt werden. Gar nicht so einfach, der Ball verfängt

sich leicht im Schlauch. Das Wettspiel, einen Apfel, der in einem Wassereimer schwimmt, anzuknabbern, wird von den THW-Jugendlichen schließlich als kühlende Disziplin für erhitzte Gesichter eingesetzt.
Quelle: Saarbrücker Zeitung , 03.08.02