SC Bosen

Zu einem Fußball-Zwischenstopp am Bostalsee...

Tihomir Parlov kam per Zufall zum SC Bosen Kreuzbandriss warf ihn zurück -SG-Trainer hält großeStücke auf ihn - Auf der Suche nach großem Verein

Er bereichert die Mannschaft des SC Bosen, versteht sich gut mit den Spielern. Trotzdem will er nach Ende der Saison weg und das große Fußballglück suchen. Die Rede ist von dem Kroaten Tihomir Parlov.

  Zwischenstopp               Der kroatische Fußballspieler Tihomir Parlow (links) will in Deutschland höherklassig spielen. Die Verbandsliga sieht Parlov als Übergangslösung an; mit SCB-Trainer Helmut Wittig (rechts) ist er da einer Meinung. Foto: MR

Bosen (mr). Der Name Saarbrücken war ihm bekannt.       St. Wendel und Bosen - davon hatte er aber noch nichts gehört.Seit vergangenen Sommer spielt er Fußball für den SC Bosen in der Verbandsliga. Es gefällt ihm gut: Land und Leute sind ihm sehr sympathisch. Doch die sportliche Station SC Bosen wird kein Dauerbrenner. Die

Rede ist von Tihomir    Parlov (25). Er dreht am Bostalsee eher eine Warteschleife. Wahrscheinlich schon am Saisonende wird der Kroate seine Suche nach dem großen Fußballglück woanders fortsetzen. Er möchte in der Oberliga oder in der Regionalliga Fuß fassen, um sich für die Zweite Liga zu empfehlen, verrät der Mann mit den kurzen Haaren im Gespräch mit der “SZ”. “Dass Bosen nicht seine Heimat wird, hat er uns schon beim ersten Treffen gesagt. Wir haben das akzeptiert”, sagt Helmut Wittig. Der SCB-Trainer schätzt die Fähigkeiten von Parlov: “Er ist menschlich in Ordnung, in der Abwehr vielseitig verwendbar, kann Libero, Manndecker und im defensiven Mittelfeld spielen. Er spielt sehr mannschaftsdienlich und taktisch clever.” Volker Merker, zweiter Vorsitzender des SC Bosen, bescheinigt dem Mann vom Balkan eine “sehr disziplinierte Spielweise”. Er habe nicht, wie viele andere Fußballer aus dieser Region, die Neigung zum Alleinunterhalter auf dem Platz. Die Verbandsliga Saar hat nie auf dem Wunschzettel des Junggesellen Parlov gestanden. Letzten Sommer machte er Probetrainings im österreichischen Lustenau und im schweizerischen Baden. Ein Transfer kam aber weder hier noch da zustande.

“Ich hätte beinahe auf der Straße gesessen”, blickt Tihomir Parlov nicht gern zurück. Doch gute Freunde, “denen ich viel zu verdanken habe”, verhalfen ihm zum Zwischenstopp im St. Wendeler Land. Das war der Trainer Ivan Gustec in Frankfurt, der Parlovs Transfer-Flopps an seinen Freund Novica Mitrovic in Bosen übermittelte. Mitrovic ist Wirt der Bostal-Klause. Der sprach noch zu später Abendstunde beim SC Bosen vor. Man war sich rasch über den Wechsel einig. “So sind wir durch einen Zufall an diesen ehrgeizigen und zuverlässigen Spieler herangekommen”, erinnert sich Helmut Wittig. Dem Verein seien keine Kosten entstanden;

Novica Mitrovic kümmert sich um das Wohlergehen seines Landsmannes. Durch die besonderen Umstände aber hatte Tihomir Parlov keine Saisonvorbereitung machen können.  Aber Wittig sagt: “Er kam dennoch in sehr gutem körperlichen Zustand bei uns an.” Auf Anhieb schaffte der Kroate, in Imotski geboren, den Sprung in die erste Mannschaft und hatte an Bosens Anfangserfolgen viel Anteil.

Acht Verbandsligaspiele mit stabiler Leistung bestritt er. In der zweiten Septemberhälfte passierte dann das Malheur:

Heimspiel gegen Eppelborn, Parlovs Kreuzband im linken Knie gerissen, Operation bei Dr. Helmut Schläfer im pfälzischen Rodalben, Krankengymnastik in St. Wendel. Statt Spielen am Wochenende nur Daumendrücken für den SCB. Jetzt ist der Abwehrspieler auf Heimaturlaub in Kroatien. In der Kleinstadt Imotski, 40 Kilometer von Split entfernt, wollte er eigentlich mit Eltern und Geschwistern frohe Weihnachten feiern. Aber der Vater ist plötzlich verstorben. In ind auch die bekannten Fußballspieler und Ivan Buljan (ehemals Bundesliga-Profi des Hamburger SV) daheim. Im Januar wird Parlov heil und gesund in Bosen zurück erwartet.

Der Kroate sagt: “Ich hoffe, dass wir im neuen Jahr genügend Punkte holen, damit Bosen den Klassenerhalt schaffen kann. Dazu werde ich bis zu meinem Weggang so viel beitragen, wie ich kann. Das bin ich Trainer Helmut Wittig, dem Präsidium, den Mitspielern und allen Leuten hier schuldig. Sie haben mir in meiner Notlage sehr geholfen.”

Quelle: Saarbrücker Zeitung 11. Dezember 2000

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