Männergesangverein Gonnesweiler

    Säule des            kulturellen          Lebens:            Mit Liedern vielen Menschen Freude gemacht ...

Der Männergesangverein Gonnesweiler ist 120 Jahre alt -  Auf der Suche nach neuen Mitgliedern

Fahnenweihe Nachdem die erste Vereinsfahne aus dem Jahre 1908 im Zweiten Weltkrieg verbrannt war, wurde eine neue angeschafft. Ihre Weihe wurde dann im Juni 1953 mit einem großen Fest begangen.                       Fotos: Verein

Gonnesweiler (it). “Ich freue mich, dass sich der Männergesangverein Gonnesweiler seiner großen Tradition bis zum heutigen Tag würdig gezeigt hat. Der Jubelverein ist seit jeher eine echte Pflegestätte kulturellen Lebens, und seine Sänger waren immer mit ganzem Herzen treue Diener der Frau Musica, die mit ihren Liedergaben nicht nur sich, sondern auch vielen Menschen immer wieder Freude und Erquickung geschenkt haben.” Mit diesen Worten lobt der Präsident des Saar-sängerbundes, Hermann Josef Hiery, den Gonnesweiler Verein, der am Samstag und Sonntag seinen 120. Geburtstag begeht.

Wer den Gang durch die von Höhen und Tiefen geprägte Geschichte geht, wird feststellen, dass die Sänger eine nie erlahmte Bereitschaft zur Liedpflege an den Tag gelegt haben, denn, so sagte es einmal der frühere Bundespräsident Professor Karl Carstens, “nicht nur die professionellen Künstler bestimmen den Rang der Kultur eines Volkes, sondern auch die vielen kulturellen Vereinigungen, in denen sich unsere Bürger zusammen tun.” Folgen Sie uns nun ein wenig durch die Geschichte des Gonnesweilerer “Liederkranz”, der seine Vorgeschichte in Neunkirchen/Nahe hatte. Dort nämlich wurde vor 120 Jahren ein Kirchenchor gegründet, da Gonnesweiler keine eigene Kirche hatte und pfarrlich zum Nachbarort gehörte. Da aber alle Sängerinnen und Sänger aus Gonnesweiler kamen, probte der neue Chor auch im ehemaligen Gasthaus Thome. Sein Dirigent war der Organist und Lehrer Saling. Bald danach aber konnte in Neunkirchen das sogenannte “Küstersälchen” fertig gestellt werden. Nach dem Willen des Pfarrherrn sollten nun die Chorproben in dem neuen Raum stattfinden. Das aber machten die Gonnesweilerer nicht mit, denn der Weg nach Neunkirchen war ihnen zu Fuß zu weit und im Winter zu beschwerlich.  Sie kamen nicht mehr zur Gesangstunde und gründeten - ohne die Frauen - ihren eigenen Verein, einen weltlichen Chor und nannten ihn Männergesangverein.

Der entwickelte ein reges Leben und bestätigte so die Richtigkeit der getroffenen Entscheidung. 1907 beschloss man, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Ein Fahnenfonds wurde gebildet, in den jedes Mitglied drei Mark zahlen musste. Die Weihe des guten Stücks erfolgte ein Jahr später. Weiter aufwärts ging es mit den Sängern, die sich - bedingt durch ein beachtliches gesangliches Niveau - an vielen Veranstaltungen beteiligten. 1911 holte sich der Chor bei einem Wettsingen in Wiebelskirchen den zweiten Platz.

Während des Ersten Weltkrieges (elf gefallene Mitglieder waren zu beklagen) ruhte die Vereinsarbeit. Aber schon im Mai 1919 erteilte die französische Militärbehörde die Erlaubnis, Chorproben durchzuführen. Die MGV-Mitglieder waren es auch, die 1920 anregten, in Gonnesweiler einen Kirchbauverein zu gründen. Auch im Zweiten Weltkrieg betrauerte man gefallene Sänger, unter anderen den Dirigenten Alois Maiborg. Die Wiederbelebung der Sangestätigkeit scheiterte nach dem Krieg zunächst am Fehlen

Blick in das Jahr 1889 Dieses Foto entstand um das Jahr 1889. Sie zeigt den Kirchenchor der Pfarrei Neunkirchen/Nahe, der im Jahr 1880 gegründet wurde. Kurz nach dieser Aufnahme schlossen sich die Männer zu einem eigenen Chor zusammen, der sich dann Männergesangverein Gonnesweiler nannte. Dieser feieert jetzt Geburtstag.

eines Dirigenten, bis 1949 Josef Zücher die Leitung übernahm und mit 28 Stimmen neu begann. Weitere bedeutsame Stationen waren die runden Geburtstage in den Jahren 1955 und 1980 sowie die Weihe des ehemaligen Dirigenten Mathias Veit zum Priester im Jahre 1991. Ungezählt sind die öffentlichen Auftritte bei den verschiedensten Gelegenheiten im Dorf und außerhalb, die Vereinsfahrten und die Beteiligungen an dem Gonnesweiler Dorfleben. In den 120 Jahren seines Bestehens notiert die Chronik 13 Vorsitzende und 22 verschiedene Dirigenten.

“Um die Zukunft des Chores sieht es nicht so rosig aus”, gesteht Vorsitzender Josef Barz ganz offen, “denn das Durchschnittsalter der 26 Sänger liegt derzeit bei 68 Jahren mit steigender Tendenz.” Zwar ist der jüngste Sänger 46, der älteste aber schon 94 Jahre. Auf die Frage, wie die Zukunft gesichert werden könne, antwortete der Präsident:

“Wir wollen durch ganz persönliche Ansprachen Männer zwischen 40 und 55 Jahren hinzu gewinnen. Unser Chorleiter Oskar Giebel, der in Gonnesweiler seit elf Jahren wirkt, ist, wie er sagt, gerne bereit, moderneres Liedgut einzustudieren, ohne dabei auf das Traditionelle zu verzichten.” Reinhold Schwarz, 70, seit Jahrzehnten aktiver Sänger und derzeit zweiter Vorsitzender, ergänzt: “Auch ich bin offen für moderne Literatur - aber möglichst in deutscher Sprache.”

Quelle: Saarbrücker Zeitung 17.08.2000

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