Theaterverein Selbach/Nahe

Theaterverein “Nahequelle” Selbach spielte “Der wahre Jakob”

Von der doppelten Moral eines Sittenhüters -Zuschauer aus der ganzen Region        Die Aufführungen des Theatervereines Selbach ziehen Besucher aus dem ganzen Landkreis St. Wendel an. Kein Wunder, dass der Theatersaal auch jetzt beim     “Wahren Jakob” drei Mal ausverkauft war.

In Versuchung   Und führe mich nicht in Versuchung: Der sittenstenge Peter Struwe, reist nach Berlin. Statt den Kongress der Liga für Sitte und Moral zu besuchen, geht er lieber ins Varieté.        Das führt natürlich zu Verwicklungen. Unsere Spielzene zeigt Peter Struw im Gespräch mit der Tänzerin Verena Wilhelm. Foto: A T B

Selbach (kp). Gleich dreimal ein proppevolles Haus hatte der Theaterverein “Nahequelle” Selbach im Saal des Gasthauses Birtel bei der Aufführung seines Schwanks in drei Akten “Der wahre Jakob”. Schon im Vorverkauf waren die drei Vorstellungen ausgebucht. Es spricht sich eben seit vielen Jahren herum, dass die Laienspieler ihrem Publikum einiges bieten: “Es kommen ja nicht nur Selbacher Besucher; die Anziehungskraft reicht bis nach Sitzerath, Oberlinxweiler, Freisen und St. Wendel. Sogar aus Schwalbach haben wir Stammgäste, die jedes Jahr wiederkommen”, so der 59-jährige Edwin Klemm, seit genau 30 Jahren Vorsitzender des Vereins. Bereits 1946 gegründet, ist der Theaterverein “Nahequelle” einer der ältesten Theatervereine im Kreis St. Wendel. Und aktiv als Theaterspieler ist Edwin Klemm seit 42 Jahren dabei: “Mein Onkel Peter Haupenthal, damals Vorsitzender, brauchte in dem Tanzspiel “Die Lindenwirtin” 1958 vier Pärchen zum Walzertanzen auf der Bühne. Das war mein Anfang im Laienspiel”. Vor genau 31 Jahren spielte Klemm seine Paraderolle in der Person des “Wahren Jakob” schon einmal: “Das war damals die erste Komödie, die wir spielten.

. Vorher waren es immer ernste Stücke.” Und Edwin Klemms Sohn Michael, 35, spielt auch schon seit 15 Jahren. Mit dabei ist immer noch Klemms Schwester Elisabeth Klein, 50, die vor 31 Jahren zusammen mit ihrem Bruder im “Wahren Jakob” die Tänzerin Yvette spielte. Diesmal trat sie als “Mila” auf, die Ehefrau des Stadtrates Peter Struwe in zweiter Ehe. Mit 15 Jahren trat Elisabeth Klein in die “Nahequelle” ein: “Meine Kinder Timo, 27, Miriam, 23 und Christian, 20, haben die Liebe zum Laienspiel von mir geerbt. Sie sind alle aktiv dabei.” Ihre Lieblingsrolle war vor Jahren die “freche Kätt” in dem Stück “Kätt, halt”s Maul”.

Was war nun der Inhalt des “Wahren Jakob” ? Peter Struwe (Gerd Becking), Stadtrat und Vorsitzender des Keuschheitsbundes, wird zusammen mit seinem Freund Heinrich Böcklein (Sascha Rausch) zum “Kongress der Liga für Sitte und Moral” nach Berlin deligiert. Aber anstatt zur Versammlung zu gehen, nutzen die beiden die die ihnen zur Verfügung stehende Zeit zum Besuch in einem Varieté. Dort lernen sie die bezaubernde Tänzerin Yvette (Verena Wilhelm) kennen, die es dem vermeintlichen Moralapostel Struwe angetan hat. Yvette ist jedoch die aus erster Ehe stammende Tochter von Struwes Ehefrau Mila (Elisabeth Klein) und sich durchaus darüber bewusst, welchen Fisch sie hier an der Angel hat. Sehr schnell erkennt sie den “wahren Jakob” in Struwe. Sie lässt sich auf das Spiel ein und macht dem “sittenstrengen” Struwe das Leben zur Hölle. Der Moralapostel Struwe wandelt sich schließlich zu einem Menschen, der das Leben in vollen Zügen geniest. Jüngste Akteurin im “Wahren Jakob” war die 15-jährige Andrea Sell, die das Dienstmädchen Anna spielte: “Am Anfang hatte ich immer etwas Lampenfieber; heute ,kraule” ich nicht mehr. Aber ein bisschen ,Kitzel” gehört dazu, sonst klappt der Laden nicht.” Zusammen mit ihren Freundinnen Ramona, Tina, Isabell und Janina gehört sie der erfolgreichen Jugendgruppe des Theatervereins an: “Der tolle Applaus wie heute abend animiert uns immer wieder, mit Spaß an der Freude einen Schwank aufzuführen.”

Um den Nachwuchs braucht sich der Theaterverein “Nahequelle” wahrlich keine Sorgen zu machen, hat er doch gleich drei Jugendgruppen.

Die Personen und ihre Darsteller

Stadtrat Peter Struwe: Gerd Becking; Mila, seine Frau in 2. Ehe: Elisabeth Klein; Lotte, seine Tochter aus 1. Ehe: Helene Zipf; Geheimrat (Struwes Schwager): Hansi Stieren; Tänzerin Yvette: Verena Wilhelm; Graf von Birkstedt: Franz-Josef Meier; sein Neffe Fred: Thomas Scherer; James Ellision: Christian Klein; Heinrich Böcklein: Sascha Rausch; Elise, Yvettes Begleiterin: Miriam Klein; Logenschließer Hummel: Edwin Klein; Dienstmädchen Anna: Andrea Sell; Boy-Pascal: Lermen; Spielleitung: Edwin Klein; Souffleusen: Edwin Klemm und Reinhold Hornetz; Maske: Petra Meier, Mechthilde Becker und  Saskia  Haupenthal; Bühnenbild:  Edwin  Klemm, Sascha Rausch und Gerd                                                                         Becking.

DER VORSTAND

Vorsitzender: Edwin Klemm, 2. Vorsitzender : Gerd Becking, Kassenwart: Jakob Rausch, Schriftführerin: Ingrid Zöhler, Beisitzerinnen: Elisabeth Klein und Mathias Scholl, Jugendbetreuer: Sabine Stegmaier, Rita Scholl, Christian Klein und Thomas Scherer.

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 12. Dezember 2000

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