Selbach. Mit Begeisterung nahmen im Jahre 1952 die Sängerinnen und Sänger die Idee des Kirchenchordirigenten Eduard Fortuin auf, eine Fatima-Grotte im Dorf zu bauen. Unverzüglich wurde eine Haussammlung gemacht, um einen finanziellen Grundstock zu haben. Es fehlte allerdings noch ein geeigneter Platz dafür. Nicht recht begeistert von dem Plan war Pfarrer Friedrich Rech aus Neunkirchen/Nahe. Damals mussten die Selbacher noch dorthin zur Messe gehen, weil sie kein eigenes Gotteshaus besaßen.
Das von
Papst Pius XII. ausgerufene "Marianische Jahr 1954" schien endlich der geeignete Zeitpunkt zu sein, mit dem Bau zu beginnen. Während der Pfarrherr jetzt einen Standort zwischen Selbach und Neunkirchen bevorzugte, setzte sich Alois Welker für

Waldkapelle wird 50...
Grabsteine dienen als Treppe...
-Von Gerhard Tröster -

Eine lange Prozession bewegte sich vor 50 Jahren zum Irschberg, wo die Waldkapelle eingesegnet wurde. Foto: privat

Die Selbacher Waldkapelle heute...

einen Ort nahe dem Selbacher Wohngebiet ein. Nachdem die Grundstückseigentümer ihr Land kostenlos zur Verfügung stellen wollten, entschied sich Eduard Fortuin für den Irschberg. Statt einer Grotte entwarf der Architekt Peter Maier aber eine Kapelle. Sofort begannen die Chormitglieder mit dem Bau. Die Marienstatue fertigte der Trierer Bildhauer Jakob Bettendorf an.

In drei Monaten fertig

Nach rund drei Monaten war unter Mithilfe vieler Bürger und dem unermüdlichen Einsatz der Sänger das 400000 französische Franken teure Bauwerk fertiggestellt. Viele Spender beteiligten sich an den Kosten. Weitere Beträge kamen durch eine Veranstaltung mit einer Verlosung zusammen. Am 16. Mai 1954 wurde die Kapelle durch Abt Petrus Borne aus Tholey und Pfarrer Friedrich Rech eingeweiht.
Von Anfang an Übernahmen die Chormitglieder die Pflege der Kapelle und ihrer Au?enanlagen. 1955 wurde eine Wasserleitung gelegt. Eine ortsansässige Firma stiftete ein Türmchen für das Dach. 1964 wurden in die Seitenwände der Kapelle Glasbausteine eingesetzt, der Fußboden mit Mosaik ausgelegt und aus alten Grabsteinen ein Treppenaufgang gebaut. Renovierungsarbeiten fielen in das Jahr 1984. Seit 20 Jahren wird am 13. Mai und seit acht Jahren am 13. Oktober eine Fatima-Andacht in der Kapelle gehalten.
Josef Halama, Vorsitzender des Kirchenchores, sieht in der Waldkapelle ein Lichtzeichen für Menschen, die Hilfe und Orientierung suchen. Ein besonderes Erlebnis hat ihn darin bestätigt. Als er im Winter einmal in aller Frühe zur Kapelle ging, traf er dort einen Fremden an, der bei eisiger Kälte auf der Bank Übernachtet hatte. Er war bereits viele tausend Kilometer durch Deutschland gewandert, hatte abends in der Kapelle den Kerzenschein gesehen und sich für diese Nacht der Muttergottes anvertraut.
"Die Kapelle ist von der Bevölkerung von Anfang an angenommen worden", hat Josef Halama festgestellt, "und sie ist zu einem gerne besuchten Ort des Gebetes und des Trostes geworden." So sei es guter Brauch geworden, bei größeren Familienfesten Blumen zur Mutter Maria in die Kapelle zu tragen.

Auf einen Blick

Das Programm: Wie schon bei der Einweihung kommt zum Jubiläum wieder der Abt von Tholey nach Selbach. Am Sonntag, 16. Mai, zelebriert Makarios Hebler um neun Uhr die Festmesse zusammen mit Vikar Christian Müller aus Sötern in der Filialkirche Maria Königin. Es singen die Kirchenchöre von Selbach und Neunkirchen/Nahe unter Leitung von Hans-Günther Fischer. Anschließend geht eine Prozession unter Vorantritt des Selbacher Musikvereins zur Waldkapelle. Dort erteilt der Abt den Pontifikalsegen. Die Matinee im Gemeindehaus beginnt um elf Uhr. Der Tag schließt mit einer Marienvesper an der Kapelle um 17 Uhr und mit einem Dämmerschoppen im Gemeindehaus. it

Quelle: 13.05.2004