St. Wendelin7

Michael wollte die Gebeine noch einmal sehen...

Ganz dicht am Heiligenschrein  500 Kinder beteiligten sich am Donnerstag am Tag der Kindergärten während der Wallfahrtswoche. Natürlich besichtigten sie, wie hier die Kleinen des Kundergartens Urweiler, den gläsernen Sarg mit den Gebeinen des heiligen Wendelin in der Basilika im Herzen der Stadt. Dazu konnten sie ein kleines Podest besteigen, um sich die Gebeine genau anzuschauen. Die Meinungen der jüngsten Pilger waren unterschiedlich. Fotos: A T B

Großartige Organisation - Kein Stress für die Kleinen

  • Von GERD MEISER  -

Die meisten Tiere besitzt Brenda. Gegen die Sechsjährige aus Baltersweiler hat St. Wendelin keine Chance. Er hat ja nur Schafe und vielleicht einen Hirtenhund. Doch Brenda aus dem Vorschulkindergarten Urweiler besitzt eine Schildkröte, Fische, zwei Katzen und, wenn wir richtig hingehört haben, auch noch Meerschweinchen und einen Hund. Was ist dagegen ein Schafhirte?

Da steht das Fähnlein der Urweiler Vorschulkinder im Schatten des Domes, wohlbehütet von Kindergartenleiterin Hildegard Schneider-Blüher und Erzieherin Mechthilde Schorr in einem kälter werdenden Herbstwind. Aufmerksam lauschen die Kinder Ingeborg Schneider-Saar, die anhand eines Büchleins den Kindern die Legende des hl. Wendelin erzählte. Das Büchlein war in der Pfarrei Allerheiligen in Sulzbach erstellt worden. Ingeborg Schneider-Saar führt die Kinder

Tanzen und Spielen           Auf die Kinder wartete im Rahmen der Wallfahrtswoche ein abwechslungsreiches Programm. Sie bastelten Schäfchen, tanzten, malten Mandalas und hörten natürlich auch Geschichten über den heiligen Wendelin.

um die Kirche und an den Sarg des hl. Wendelin.  Am Schrein zeigen sich die Urweiler Vorschüler etwas distanziert. Allein Michael, sechs, ist fasziniert und will die Gebeine nochmals sehen. “De Schädel” gefällt ihm am besten. Gian-Luca, sechs, nimmt‘s gelassen. Den “Knochen” widmet er knapp die Bewertung “gut”.Tierfreundin Brenda aber findet die Gebeine nach einigem Zögern, “schwarz und eklig”. Keine Auskunft gibt der jüngste Pilger an diesem Tag der Kinder: Julius Dillinger aus Roschberg. Er ist gerade mal sechs Wochen alt und schläft behaglich an der Mutterbrust von Eveline Dillinger aus Furschweiler. Sie sind von den braven Kindern des Kindergartens Furschweiler umgeben, die von Kindergartenleiterin Regine Finkler und ihrem Team behütet werden. Für Domführerin Ingeborg Schneider-Saar aber ist dieser Tag “entspannend”, wie die Buchhalterin im elterlichen Maschinen-Betrieb, den Schneider-Werken versichert.

Dieses “Entspannende” aber liegt über der gesamten Organisation dieses Kindertage. Eine vorzügliche Organisation, eine sehr behutsame Leitung der Erzieherinnen, ein stressfreies Programm für die Kleinen, aber auch eine Vielfalt an Erlebnissen prägen die Veranstaltung. Dabei steht der Chronist zunächst im Dom und sieht nur graue Haare und Glatzen und dann noch den grauhaarigen “Dom-Herrn”, Anton Franziskus, der überrascht ist von den vielen Priestern, die mit dem Luxemburger Bischof Fernand Franck den Gottesdienst zelebrieren. Wo sind die Kinder? Da hört der Chronist vor dem Portal ein Stimmchen piepsen: “Do iss Mess, do gehn eich net rin”. Und draußen steht ein Trüppchen vom Tholeyer Kindergarten mit Marianne Loch und Christine Hoffmann mit einem Polizisten, der die Kinder offensichtlich weit mehr beeindruckt als der hl. Wendelin. Und bei dieser Gruppe trifft der Chronist, als hätte ihm der hl. Wendelin einen Engel geschickt, die Gemeindereferentin von St.  Wendelin, Anneliese Maaß aus Hirzweiler-Welschbach, die ihn dann in die Geheimnisse des Kindertages einführt. Im Cusanushaus treffen sie auf die Kinder des Kindergartens St. Marien aus Neunkirchen/Nahe, die Schäfchen gebastelt hatten, wobei offensichtlich vorübergehend Steven, fünf, beim Abmarsch zum nächsten Programmpunkt kurzfristig verloren ging, denn Siegrid Rublack ruft nach “dem Zwölften”, das ist Steven, der sich dann auch meldet.

Die Fäden der Organisation haben die Leiterin des St.  Wendeler Kindergartens, Gabi Rauber, und Sozialarbeiter Lothar Saipt in den Händen. Obwohl in den Räumen des Cusanushauses Schäfchen gebastelt werden und nach dem lustigen Titel “Hörst du die Regenwürmer husten” getanzt, sogar noch in einem Raum das Frühstücksbrot vertilgt wird (Helfer ist hier die katholische Frauengemeinschaft von St.  Marien in Oberlinxweiler) liegt eine beeindruckende Ruhe über dem Haus. In der alten Kapelle des Hospizes aber möchten wir gerade sitzen bleiben. Ein Ort der Meditation. Ganz still sind die Kinder von St. Martin in Niederlinxweiler mit ihrer Leiterin Andrea Tschida. Die Kinder malen konzentriert bei meditativer Musik Mandalas, während Chandal, fünf, und Julian, fünf, verraten, dass sie noch den hl. Wendelin besuchen wollen. In der Hospitalkirche lauschen Kinder einem von Erzieher Daniel Schallmo zusammengestellten Diavortrag über den Heiligen. Nach diesem Punkt brauchen die Kinder von St. Michael (Marpingen) “etwas Bewegung”, wie Kindergartenleiterin Beate Schuh-Trebing feststellt. “Wir suchen einen Spielplatz.”

So wurden die über 500 Kinder vom Schäfchenbasteln über das Tanzspiel, das Mandalamalen zum Diavortrag zur Dombesichtigung und dem Besuch des Wendelinus-Grabes geführt, ohne dass Hektik auftrat, ohne dass es Stress gab.  Die Kleinen hatten ihre Rucksäckchen dabei und verpflegten sich mit dem, was die Mutti eingepackt hatte. Beim Schlussgottesdienst, zu dem Pastor Anton Franziskus vorzeitig vom Mittagstisch mit Bischof Bernard Franck aufbrach, waren die Kleinen noch beachtlich fit, auch wenn dem einen oder anderen die Augenlider schwer wurden.

Quelle: Saarbrücker Zeitung 27.10.2000

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