Seifenkistenrennen Selbach/Nahe

Wer bremst, hat Angst - Wer nicht bremst, kriegt Angst Beobachtungen beim Seifenkisten-Rennen der Eggfies                                 in Selbach - Originelle Fahrzeuge sausten den “Mannelbach-Schuss” hinab - Mehr als 1500 Zuschauer an der Strecke...                                                                                              Schlauchboot auf Rädern, verbrannter Silberpfeil, Mixery-Flasche: Originalität war beim Seifenkistenrennen in Selbach ebenso gefragt wie Geschwindigkeit.

Selbach (be). Man muss fest zu seinen Überzeugungen stehen, dann klappt es am Ende auch. So bestimmten beim 4. Internationalen Seifenkistenrennen am Selbacher “Mannelbach-Schuss” zwei Erkenntnisse das Tun des Seifenkistenpiloten Antonius Maier. Erstens: “Wer bremst, hat Angst.” Zweitens: “Wer nicht bremst, kriegt Angst.” Am Schluss aber hatte Maier zusammen mit seinem Partner Christian Müller die Angst am besten überwunden. Das Gespann war nach drei Läufen klarer Sieger unter 30 teilnehmenden Fahrzeugen. Den zweiten Platz belegten Elmar Dewes und Thomas Scherer, den dritten Platz erreichten Jens Bartel und Michael Keller.


Gut bereift... “Back 2 Basic” hat Guido Becking aus Selbach seinen Rennwagen genannt, mit dem er sich auf der Strecke machte. Den Ausfall eines Reifens hätte er bei dieser Bereifung wohl verkraften können. Bei dem Wettbewerb kam es nicht nr auf die Geschwindigkeit an , ausgezeichnet wurden auch die originellsten Fahrzeuge.

Doch beim Seifenkistenrennen der “Eggfiess” ist die Jagd nach der Bestzeit nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht, nicht weniger ehrenvoll, das Bemühen um eine größtmögliche Originalität des Rennfahrzeuges. Hier wird das Publikum immer wieder in Erstaunen versetzt und zum Schmunzeln gebracht. So fragten sich bereits vor dem Start viele der mindestens 1500 Zuschauer entlang der Strecke, wie der für den Rennlauf angekündigte “Verbrannte Silberpfeil” wohl aussehen möge. Die Antwort, die da auf vier klapprigen Rädern den Berg hinunter rollte, war so witzig wie einfach: Kohlrabenschwarz war das Gefährt, so dass es mit Leichtigkeit auch als “Verbrannter Ferrari” hätte durchs Ziel gehen können.

Aber es gab noch weit aufregendere Konstruktionen zu bewundern, von denen man sich auf der Startrampe schon fragen musste, ob sie jemals auch nur einen Meter laufen würden. Aber sie taten es, wenn auch manchmal nur mit Hilfe rudernder Armbewegungen des Piloten. Für die Teilnehmer in dieser Kategorie galt aber sowieso nur das olympische Motto, nach dem Dabeisein schon alles ist.  Oder auf Saarländisch abgewandelt: “Hauptsach, die Kischd hält unn edd Bier is kalt.” Nach dieser Maxime handelten nämlich Thomas Baltes & Friends (Holger Hector, Arnd Schuhmann, Kai Baltes und Thomas Gurasdza) aus Elm. Sie hatten in der Wertung der originellsten Seifenkisten mit ihrer Ferrari-Nachbildung um Längen die Nase vorn. Dabei wurde das Ungetüm eigentlich überhaupt nicht für die flotte Fahrt den Hang hinunter konstruiert.  Vielmehr war es mal ein Bestandteil des Elmer Fasnachtsumzuges, an dem das stets gut gelaunte Quintett teilgenommen hat. Als man jetzt durch Mund-zu-Mund-Propaganda vom Selbacher Großereignis hörte, wurde der rote Renner noch einmal aus der Scheune geholt und dann innerhalb von fünf Wochen startklar gemacht.

Schumi lässt grüßen... Mit einem Super-Ferrari machte sich das Team Baltes und Friends aus Elm auf die Strecke am Mannelbach-Schuss in Selbach. Mehr als 1500 Zuschauer verfolgten die Rennen der Seifenkisten und freuten sich dabei auch über die ideenreiche Bauweise der Fahrzeuge...

Neu im Angebot für das Auge des Rennbetrachters war auch die “Mixery-Flasche” von Frank Wahl, die auf den zweiten Rang kam. Reinhold Maiers aufgeblasenes Schlauchboot auf vier hohen Rädern kam bei seiner ersten Landpartie auf den dritten Platz. Die Konstrukteure der schönsten Kiste erhielten als Anerkennung sogar einen echten “Preis des Ministerpräsidenten” in Form eines Pokals. Im Grußwort zum Rennprogramm schrieb Peter Müller auch, dass es den “Eggfiess” gelungen sei “eine faszinierende Rennveranstaltung auf die Beine zu stellen, die ohne Umweltverschmutzung, Lärm und großen Kostenaufwand betrieben werden kann.” Womit er recht hat, denn alles, was in Selbach den Berg runter rollt, wird in anderen Gemeinden von der Sperrmüllabfuhr gerne mitgenommen. Manches Fahrzeug wird aber wohl nie dort landen. So erweisen sich die “Bobby-Cars”, die kleine Kinder schon fast im Krabbelalter benutzen, als schier “unkaputtbar”. Selbst auch dann, wenn sie, wie jetzt am “Mannelbach-Schuss” von Erwachsenen den übelsten Belastungsproben ausgesetzt sind. Eher werfen sie - wie vielfach geschehen - ihre allzu waghalsigen Piloten ab, als dass sie ein Rad verlieren. Sieger in diesem beinharten Rennen, das in Selbach Premiere hatte, wurde ein Fahrer unter dem Namen “Tewe”. Auch der Zweitplatzierte verbarg seine Identität unter dem Künstlernamen “Schaude”. Nur der Dritte konnte eindeutig identifiziert werden: Udo Zipf, ein Selbacher. Am Ende überall zufriedene Gesichter: Die Zuschauer, die einen äußerst kurzweiligen Nachmittag bei freiem Eintritt verbracht hatten, die Teilnehmer, unter denen auch die Verlierer nur kurz mit ihrem Schicksal haderten, und letztlich die Veranstalter. Ob die allerdings im nächsten Jahr schon die fünfte Auflage des Seifenkistenrennens folgen lassen, steht noch in den Sternen. Christoph Schröder, einer der “Eggfiess” ist noch skeptisch, zumal das Ganze für die kleine Truppe einen Riesenaufwand macht. Vielleicht täte auch eine Rennpause der Originalität der eingesetzten Fahrzeuge wieder ganz gut, meint er.  Schade wäre es allerdings, so lange auf den Rennkommentar von Streckensprecher Matthias Scholl verzichten zu müssen. Der ist nämlich Formel-eins-tauglich.

Quelle: Saarbrücker Zeitung 29.08.2000

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