Ökosystem der Gewässer

Bachforelle kommt nicht an Waschtagen

Schüler der Gesamtschule Türkismühle beschäftigen sich mit dem Ökosystem der Gewässer ...

Türkismühle/Eisen (be). Erschütternd ist das Schicksal der Eintagsfliege, deren Larven in fließendem Gewässer beheimatet sind: Sie schlüpfen aus, surren ein wenig herum, sorgen durch Paarung für Vermehrung und hauchen noch am Tag ihrer Geburt - wie der Name schon sagt - ihr Leben aus. Damit das an die Schüler vermittelte Wissen um die Lebensvorgänge in der Natur nicht von ähnlich kurzer Dauer ist, geht man an der Gesamtschule Türkismühle manchmal neue Wege. Und die können aus dem Klassenzimmer heraus auch einmal an einen Bachlauf führen, so wie dies momentan dort der Fall ist.

Auf Spurensuche   Stephanie Klein, Annette Fischer, Angela Nolte und Hannah Finken, von links, untersuchen zusammen mit dem Bachpaten Ernst Müller den Eisbach. Kleinstlebewesen geben Hinweise auf die Wasserqualität. Für die Untersuchung reicht eine einfache Ausstattung: Konservengläser, Spülschüssel, Mehlsieb und Lupe.         Foto: A T B

Im Rahmen des Natur- und Umweltunterrichts gibt es da eine kleine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Ökosystem der Gewässer beschäftigt und dies einer genaueren Untersuchung unterzieht. Das geschieht im Rahmen der Lehrplaneinheit zunächst einmal theoretisch, danach aber auch mit viel Praxis, wobei Lehrerin Annette Fischer die Arbeitsgemeinschaft begleitet. Frau Fischer hält diese Form des Lernens für wesentlich einprägsamer, da es durch direkte Anschauung unterstützt wird. Darüber hinaus glaubt sie, dass bei Schülern der Klassenstufe 10 ohnehin letztmals Gelegenheit ist, für Natur- und Umweltthemen zu sensibilisieren. Danach, so die Lehrerin, laufe vieles im Unterricht auf den späteren Beruf oder den höheren Schulabschluss zu. Zur Zeit ist Annette Fischer zusammen mit den drei Schülerinnen Angela Nolte, Hannah Finken und Stephanie Klein öfter mal unterwegs am und sogar im Eisener “Eisbach”. Begleitet wird die Arbeitsgemeinschaft dabei von Ernst Müller, seit zwölf Jahren der Bachpate des Eisbaches von seinem Eintritt auf saarländisches Gebiet oberhalb Eisens bis zur Mündung in den Söterbach. Müller, der darüber hinaus aktiv ist im Nohfelder Verein “lebendige Kulturlandschaft”, versucht der Gruppe bei ihren Exkursionen am Bach oder auch anlässlich von Unterrichtsbesuchen sein Wissen zu vermitteln. Darüber hinaus möchte er die jungen Leute gerne etwas aufmerksamer machen auf die vielschichtigen Zusammenhänge in der Natur.

Gelber Strudelwurm

Schöner Strudelwurm

Das erste, was die Schülerinnen am Bachlauf lernten, war die Tatsache, dass es nur einer kleinen “Forscher-Ausrüstung”, wie sie eigentlich in jedem Haushalt zu

finden ist, bedarf, um hier präzise Beobachtungen anstellen zu können. Konservengläser, Spülschüssel, Mehlsieb und eine Lupe genügen fürs Erste. Dazu hilfreich jeweils ein Bestimmungsbuch zu Flora und Fauna an Gewässern. Mit diesen bescheidenen Mitteln hat Ernst Müller im Lauf der Zeit eine präzise Kartierung des Eisbachs vorgenommen und ihn genau nach den gültigen Gewässer-Güteklassen eingeteilt. Dass es dazu notwendig ist, manchmal jeden Stein im Bachbett umzudrehen, konnten die Schülerinnen mit eigenen Versuchen nachvollziehen. Sorgsam hoben sie unter Müllers Anleitung Steine und Gegenstände aus dem Bachbett oder entnahmen Wasserproben. Dabei ging es vor allem um die Klein- und Kleinstlebewesen, die sich entdecken ließen. Diese nämlich geben Aufschluss darüber, wie es wirklich um die Gewässerqualität steht.

Besagter Eintagsfliegenlarve, so war zu erfahren, reicht die Gewässergüte III (“naturfern”) zum Leben völlig aus - Hauptsache, das Wasser fließt noch. Das Wasser ist auch umso schlechter, je mehr Schlamm- und Strudelwürmer sich darin finden. Die haften in Ermangelung von Steinen notfalls auch an im Bachbett vor sich hin rostenden Bierdosen. Kein Garant für das Vorfinden sauberen Wassers ist auch die wunderschön anzuschauende Libelle. Ihre Larven können auch etwas Schmutzwasser vertragen. Im Gegensatz zu Döbeln und Ellritzen. Diese kleinen Fische findet Ernst Müller im Eisbach nicht mehr vor.  Längst verschwunden, obwohl früher sehr verbreitet, sei auch die Miesmuschel. Ganz miserabel ist die Wasserqualität in der unmittelbaren Nähe von Einleitungen aus häuslichen oder industriellen Kläranlagen. Müller führte die Schülerinnen zu so einer Einleitungsstelle nahe Eisen.  Zu seiner eigenen Überraschung tauchte dort eine Bachforelle auf. Die mag eigentlich sauberes Wasser. Aber auch dafür hatte der Bachpate eine griffige Erklärung: “Dann ist heute wohl kein Waschtag.”

Quelle: Saarbrücker Zeitung 05.09.00

 

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