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Supermärkten dargeboten werden, gleicht die Beschaffungstour für lokale landwirtschaftliche Produkte vielfach eher einer Rallye über die
Feldwege zu den diversen Aussiedlerhöfen der Umgebung. Spätestens seit der aktuellen BSE-Krise, so ist sich der Nohfelder Bürgermeister Dr. Heribert Gisch sicher, klafft hier eine nicht unbedeutende Markt-Lücke. Da es die Kunden gewohnt seien, an zentraler Stelle ein breites Angebotsspektrum vorzufinden, für das sie auch längere Wege in Kauf nehmen, müsse auch die Strategie der Selbstvermarkter dem Rechnung tragen und auf dieses Kundenbedürfnis eingehen. Den “Basar-Charakter” eines Supermarktes soll nach Gischs Vorstellungen eine verkehrsgünstig gelegene Markthalle für lokale Produkte schaffen und damit die Markt-Chancen der örtlichen Erzeuger weiter verbessern.
Als idealen Standort für die Markthalle hat Gisch eine der beiden “Bauerschen Hallen” in der Türkismühler Ortsmitte ausgemacht. Die befinden
sich seit Jahren sowohl in Gemeindebesitz wie auch in einem dem Ortsbild wenig zuträglichen und deshalb oft beklagten Zustand. Während für eines der ehemaligen Werkstattgebäude wegen seines baulichen Zustands nur
ein Abriss in Frage kommt, ist die zweite Halle, ein Klinkerbau, durchaus erhaltenswert. Sie könnte recht rasch zur Markthalle umgestaltet werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Projekt großzügig
gefördert wird mit Mitteln aus dem Förderprogramm “Entwicklung des ländlichen Raumes im Saarland” im Rahmen des LEADER-II-Projektes der Europäischen Union, an dem die Gemeinde Nohfelden teilnimmt. Einen
entsprechenden Antrag an den saarländischen Umweltminister Stefan Mörsdorf
hat Bürgermeister Gisch wenige Tage vor Weihnachten gestellt. Dabei bittet er den Minister- im Fall einer grundsätzlich positiven Stellungnahme - schon um eine Teilfinanzierung des Vorhabens für das Haushaltsjahr 2001, da man auf Grund der Besitzverhältnisse sehr schnell mit den Arbeiten beginnen könne. Nach ersten Schätzungen, so der Nohfelder Verwaltungschef, werden sich die Kosten für die Hallensanierung auf etwa 150 000 Mark belaufen. Die Halle hat eine Nutzfläche von 300 Quadratmetern und umfasst zirka 1 700 Kubikmeter umbauten Raum. “Von der Größe her bestens geignet”, ist in dem Schreiben an den Umweltminister vermerkt.
Was den möglichen Markthallen-Standort weiter auszeichnet ist die unmittelbare Nähe zu anderen infrastrukturellen Einrichtungen: Zum Bahnhof
(mit einem großzügig bemessenen Parkplatzangebot) wie auch zum Busbahnhof sind es nur wenige Schritte. Dazu führt die Saarbrücker Straße als Hauptdurchgangsstraße direkt am Gebäude vorbei und in die mündet in diesem
Bereich zudem die Trierer Straße, die über einen Kilometer Strecke direkt von und zu der Autobahn 62 führt.
Ideeler Träger des Projektes könnte, so Gischs Vorstellung, der im Rahmen des LEADER-II-Projektes gegründete Verein “Lebendige Kulturlandschaft Nohfelden” sein. Der würde die konzeptionelle Arbeit leisten und für eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Dem Verein zur Seite stehen sollte als wirtschaftlicher Träger ein gesellschaftsrechtlicher Zusammenschluss interessierter Betriebe im Bunde mit Dritten wie Volks- und Raiffeisenbanken und Kreisparkasse
unter Einschluss der Gemeinde Nohfelden. In seinem Schreiben an den Umweltminister führt der Bürgermeister an, dass sich die Gemeinde Nohfelden seit Beginn ihres Engagements innerhalb des LEADER-Projektes weniger um theoretische Konzepte als um praktikable Lösungen bemühe, die von den Bürgern im Alltag angenommen werden. Lokale Wirtschaftskreisläufe im nordsaarländischen Raum sollten damit wieder belebt werden.
So gesehen stünde die Markthalle für lokale Produkte in Türkismühle fast an einem historischen Ort. Nur einen Steinwurf weit weg auf der
gegenüberliegenden Straßenseite gab es bis zu Anfang der 70-er-Jahre die Türkismühler Molkerei, die ausschließlich die von den damals noch zahlreichen Genossenschaftsbauern angelieferte Milch verarbeitete.
Hergestellt wurde dabei auch der “Türkismühler Camembert”,
der es an Qualität mit allen importierten und weitgereisten “Kollegen” aufnehmen konnte und in der damaligen Zeit in der ganzen Region ein echter lokaler “Renner” war.
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