Im Rausch der Geschwindigkeit             63 Autos düsten bei der Rallye Kohle& Stahl über die Strecke der sechs Wertungsprüfungen. Allerdings ist die Zeit der traditionellen Kohle&Stahl vorbei: Statt zwischen Fördertürmen und Hochöfen durch zu brettern, rasen die Autos rund um Wolfersweiler an Feldern, Wälder und Wiesen vorbei. Foto: ATB

Angenehmer Etikettenschwindel bei   Kohle & Stahl

  • Feld und Wiesen statt Hütten und Gruben Neunkircher Bernd Petry gewinnt
  • Traditionsveranstaltung in Wolfersweiler -               “Nur” 63 statt der erhofften 100 Teilnehmer
  • Knapp 900 Zuschauer sahen bei der “Kohle &Stahl” in Wolfersweiler guten Rallye-Sport. Schade nur, dass die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurück blieb.
  • Wolfersweiler (be). Der Name ist eigentlich Etikettenschwindel. Die Rallye “Kohle & Stahl” führt nämlich ausschließlich über asphaltierte und geschotterte Feldwege durch Acker- und Weideland. Zwischen Fördertürmen und Hochöfen wurde sie früher einmal im mittleren Saarland ausgetragen. Seit 1991 aber hält der in Wolfersweiler beheimatete

    Wobei der Veranstalter jedes Mal versuchen muss, eine Ideallinie zu fahren zwischen anspruchsvollem Motorsport einerseits und möglichst schonendem Umgang mit der Umwelt andererseits. So waren auch diesmal die sechs Wertungsprüfungen kompakt auf nur drei verschiedene Strecken rund um das Rallyezentrum beim Autohaus Brocker in Wolfersweiler verteilt. Damit war ein in vergangener Zeit oft zu Recht kritisiertes “Wettrennen” der Zuschauer von einer Wertungsprüfung zur anderen schon im Ansatz verhindert, darüber hinaus konnten die Rallye-Fans echt Sprit sparen. Dies vor allem, wenn sie sich an einen Tipp im Programmheft des MSC Obere Nahe hielten und ihr Auto oberhalb des Wolfersweiler Sportplatzes parkten. Von dort aus ließen sich die Wertungsprüfungen zwei und drei sowie fünf und sechs binnen weniger Minuten zu Fuß erreichen. Wobei den Streckenplanern noch das Kunststück gelungen war, die jeweils spektakulärsten Stellen für die Zuschauer ganz nahe beieinander zu legen.  Eine für die Fahrer wirklich “haarige” Haarnadelkurve in den Wertungsprüfungen zwei und fünf lag nur 300 Meter entfernt von einer mit Hochgeschwindigkeit nur atemberaubend driftend zu durchfahrenden Linkskurve am Beginn einer gut einsehbaren Geraden der Prüfungen drei und sechs. Fans, die eilig zwischen den beiden Schauplätzen hin und her pendelten, konnten unbesorgt sein, denn auf die Fußgänger lauerte auf halber Strecke bei der Feldscheune von Bauer Mattes sicher keine “Radarfalle”.

    Nicht zu verachten waren unterdessen auch Teil eins und vier der Rallyestrecke über die Gemarkung von Mosberg-Richweiler, mit einer sehr publikumswirksamen Spitzkehre 100 Meter vom Ortsausgang. Unter den Zuschauern nicht wenige, die sich noch daran erinnerten, wie vor über 22 Jahren Deutschlands Rallye-König Walter Röhrl, damals bei der “Saarland-Rallye”, die selbe Piste unter die Räder seines Lancia “Stratos” nahm. Freilich hatte sein Co-Pilot Christian Geistdörfer den Verlauf der Sonderprüfung in umgekehrter Reihenfolge im “Gebetbuch”, weil 1978 in entgegengesetzter Richtung gefahren wurde.

    Entgegengesetzt der Erwartungen des Veranstalters war diesmal auch der Umfang des Teilnehmerfeldes. Statt der ursprünglich anvisierten 80 bis 100 Fahrzeuge fuhren lediglich 63 über die Rampe, als Nohfeldens Erster Beigeordneter Wilhelm Freytag zusammen mit dem Wolfersweiler Ortsvorsteher Eckard Heylmann den Start freigegeben hatte. “Dabei ist der finanzielle Aufwand der selbe, wie bei 20 oder 30 Autos mehr”, meinte dazu leicht enttäuscht der MSC-Vorsitzende Ralf Brocker. Und die 240 Helfer vom eigenen oder befreundeten Clubs, von der Feuerwehr und vom Roten Kreuz seien ebenso ganztägig im Einsatz. Dass man sich für das nächste Jahr zur Neuauflage etwas überlegen müsse, ließ auch Vorstandsmitglied Axel Brocker durchblicken. Er führte das Fehlen etlicher Teams auf die Ballung motorsportlicher Termine in den vergangenen Wochen zurück. Außerdem habe es bei der jüngst ausgetragenen Illtal-Rallye “viel Schrott gegeben.” “Und die Autos fehlen hier natürlich auch”, sagte Axel Brocker.

    Dennoch sahen mehr als 900 Zuschauer bei freiem Eintritt zum allmählichen Ausklang der Saison hochklassigen Motorsport. Der freilich wird, betrachtet man das Durchschnittsalter der Rennfahrzeuge im Einsatz, mehr getragen vom sportlichen Idealismus der Piloten und Beifahrer als von zahlungskräftigen Sponsoren. Vielleicht können ja die Sieger dieses Jahres, einen Gesamtsieg bei der Saarländischen Rallyemeisterschaft vorausgesetzt, im nächsten Jahr zu etwas besseren Konditionen fahren. Auf einem BMW “M 3” siegten Bernd Petry und seine Beifahrerin Ursula Grün aus Neunkirchen. Die schon vor diesem Lauf in der Gesamtwertung Führenden hatten diesmal zweifaches Glück. Sie waren in der Endabrechnung mit 22 Minuten und 12 Sekunden absolut zeitgleich mit dem Duo Armin Sommer/Sandra Langefeld (Subaru Impreza Turbo), das auch fünf der sechs Wertungsprüfungen gewonnen hatte. Allerdings nicht die erste. Die ist aber - so will es das Reglement bei Zeitgleichheit - entscheidend und sah die Neunkircher als Zeitschnellste. Allerdings wären beide Teams auf die Plätze verwiesen worden, hätte nicht der Opel Manta B der Vorjahressieger Willi Stumpf/Peter Quint aus Heusweiler bei der vorletzten Prüfung röchelnd den Dienst quittiert. Die darauf hin etwas angekratzte Ehre der Mantas retteten dann noch Roland Buchheid und Michael Riga aus Losheim als Dritte.    

    Ergebnisse Rennen Kohle&Stahl

              Quelle: Saarbrücker Zeitung 10.10.2000

    Motorsportclub Obere Nahe die Fahne dieser ADAC-Traditionsveranstaltung hoch.

    Rallye Kohle&Stahl