THW Nohfelden schickt Helfer nach Indien...

Zwei Rettungshundeführer suchen im Erdbebengebiet mit Spezialkamera nach Verschütteten

Nohfelden/Ahmedabad (erz). Am frühen Samstagmorgen kam der Alarm. Kaum sechs Stunden später saßen Hans-Werner Kunz aus Wolfersweiler und Johannes Arnoldi aus Grimburg schon in Frankfurt am Flughafen in der Chartermaschine. Die beiden Rettungshundeführer vom Technischen Hilfs- werk, THW, aus Nohfelden gehören zu einem 27- köpfigen Helferteam,das am Samstag von Frankfurt ins Katastrophengebiet im Westen Indiens aufbrach. “So weit ich weiß, ist es der erste Einsatz von ausländischen Hilfskräften in Indien überhaupt”, erklärte Erhard Müller, Ortsbeauftragter des THW in Nohfelden gestern gegenüber unserer Zeitung.Und die Hilfe haben die Inder zurzeit dringend nötig. Am Freitag - am indischen Unabhängig- keitstag - bebte in der Region um die Millionenstadt Ahmedabad

Katastrophe Mehr als 100.000 Tote hat das  Beben in Indien wohl gefordert. Hunderttausende sind obdachlos.

die Erde. 8,0 zeigte die Richterskala. Das heftigste Beben in der Region seit fast fünfzig Jahren. Ein Beben mit katastrophalen Folgen. Auf mehr als 16 000 wurde gestern die Zahl der getöteten Personen geschätzt. Tausende von Gebäuden stürzten ein. Tausende Menschen sind noch vermisst. Und eben diese Verschütteten sollen die Helfer aus Nohfelden in Ahmedabad finden. Dafür ist das Team aus Deutschland auch erstklassig ausgerüstet. Neben ihren Spürhunden haben die Nohfelder auch eine “Search-Cam” dabei - eine Spezialkamera. Die hochmoderne Suchkamera ähnelt einem Gewehr. An der Spitze des “Laufes” ist eine Lampe und eine Kamera montiert. “So kann man durch Erd- oder Gebäudespalten in die Hohlräume der Trümmerberge eindringen und dort nach Verschütteten suchen. Die Bilder sieht man auf einem Monitor”, erklärt Erhard Müller die “Search-Cam”. Außerdem hat die Einsatz-Truppe, der neben den Helfern aus Nohfelden noch THWler aus Bocholt, Darmstadt, Viernheim, Homberg, Speyer, Worms und Pfungstadt angehören, noch Betonsägen, pneumatische Hebekissen und sonstiges Spezialgerät dabei. Wie lange die THWler in Indien bleiben, ist noch unklar. “Sie sind für einen etwa zehn- bis vierzehntägigen Einsatz ausgerüstet. Für diese Zeit haben sie Lebensmittel dabei”, so Müller. Die Einsatz-Truppe ist völlig autark. Müller: “Sie stellen sogar ihr eigenes Trinkwasser her.” Die beiden Nohfelder, Kunz und Arnoldi, sind Mitglieder der Seeba-Mannschaft des Technischen Hilfwerkes, der Schnelleinsatzeinheit für Bergungseinsätze im Ausland. Bis zu 70 Mann kann die Seeba-Einheit umfassen. Gestellt werden die Einsatzkräfte von den Standorten Nohfelden/Freisen, rund um Darmstadt und rund um Bocholt. Dazu kommt noch eine Logistikkomponente aus der Region Bad Kreuznach/Mainz sowie eine ärztliche Crew vom Standort Bocholt.

“Besonderer Dank gilt natürlich den Arbeitgeber der Seeba-Helfer”, erklärt Erhard Müller: “Die Einsatz-Truppe muss ja für den Einsatz freigestellt werden. Dabei hat es noch nie ein Problem gegeben. Das ist wirklich klasse.” Doch nicht nur die Arbeitgeber sind gefordert. “Für die Angehörigen der Helfer sind das natürlich auch starke Strapazen”, weiß Müller. Derzeit sind immerhin vier THWler aus Nohfelden im Auslandseinsatz. Kunz und Arnoldi in Indien. Bernd Leonhard und Werner Laub in San Salvador - zusammen mit Einsatzleiter Manfred Becker, Jochen Schneider, Berthold Klos und Karl-Heinz Alles aus Freisen. Sie sind am Freitag nach San Salvador gestartet. Gerade aus dem mittelamerikanischen Land zurückgekehrt sind Heike Becker, Reiner Fries und Wolfgang Simon aus Nohfelden. Das Trio hatte zwei Wochen im Erdbeben-Katastrophengebiet in Santa Tecla für 10 000 Menschen Trinkwasser hergestellt.

Wenn Sie helfen wollen...

Erdbeben in Indien
AWO International ruft zu Spenden auf
Bonn. Nach dem verheerenden Erdbeben in Indien, von em nach ersten Meldungen insbesondere der Unionsstaat Gujarat betroffen ist, ruft AWOInternational, die Gemeinschaftsaktion für humanitäre Hilfe der
Arbeiterwohlfahrt (AWO), zu Spenden auf.

AWO International wird Soforthilfe durch ihre Partnerorganisation "TRUST FOR RE-ACHING THE UNREACHED" im Bundesstaat Gujarat leisten, deren Arbeitsschwerpunkt bei der medizinische Versorgung der Menschen in Slums und in ländlichen Regionen liegt.
 AWO International wird für erste Sofortmaßnahmen 50.000 Mark bereitstellen und bittet um dringende Spenden auf das Konto:
                   33 66 66 Bank für Sozialwirtschaft (BFS)
                   BLZ: 370 205 00
                   Stichwort: Erdbeben Indien

Helfer kehren aus Indien zurück...

Eine Woche war THW-Trio im Erdbebengebiet im Einsatz

Nohfelden/Freisen (erz). Am gestrigen Freitagmorgen um acht Uhr war‘s soweit. Auf dem Flughafen Frankfurt landete der Flieger mit den 30 Bergungskräften des Technischen Hilfswerkes, THW von der Schnelleinsatzeinheit zur Bergung im Ausland (Seeba), die knapp eine Woche im indischen Erdbebengebiet in der Provinz Gujarat im Einsatz waren. Hans-Werner Kunz und Johannes Arnoldi, beide THW Nohfelden, sowie Denis Scheer vom THW in Freisen hatten in der Provinzstadt Bhuj erfolgreich geholfen, zwei Opfer unter den teilweise meterhohen Trümmerbergen zu orten und zu retten. Doch jetzt, acht Tage nach dem Beben der Stärke 8,0 auf der Richterskala, bei dem wahrscheinlich mehr als 100 000 Menschen ums Leben kamen, besteht kaum noch Hoffnung, Überlebende aus den Trümmerbergen zu retten. Deshalb wurde der Einsatz des Technischen Hilfswerkes abgebrochen - ursprünglich waren zwei Wochen geplant. “Die drei sind unheimlich erschöpft und müde - aber gesund und wohlauf”, erklärte am Freitag Erhard Müller, Ortsbeauftragter des THW Nohfelden, der das Trio am Frankfurter Flughafen empfangen hat.

In Bhuj hatte das Trio des saarländischen THW zusammen mit 27 anderen Helfern des Technischen Hilfswerkes mit Spezial-Werkzeug - darunter eine hochmoderne “Search-Cam” - nach Verschütteten gesucht. So konnte mit der Spezialkamera ein 51-jähriger Mann aufgespürt werden, der unter einer zehn Meter hohen Trümmerschicht lag. Die Helfer des Technischen Hilfswerkes arbeiteten in Bhuj mit Rettern des Schweizer Katastrophenschutzes zusammen.

Vor Ort sind derzeit nur noch vier hauptamtliche Mitarbeiter des THW, die im Gebiet um die Provinzstadt Bhuj die Möglichkeiten der Nachsorge überprüfen. In der völlig zerstörten Stadt im Grenzgebiet zwischen Parkistan und Indien - rund um die Millionenstadt Ahmedabad - fehlt es beispielsweise an Trinkwasser und Unterkünften. In der kommenden Woche wird dann die Entscheidung fallen, ob weitere Einsätze des THW in Indien umgesetzt werden.

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 03.02.2001

THW Nohfelden