THW Nohfelden2

Rettendes Gebet unter den Trümmern...

Drei Helfer aus dem nördlichen Saarland bargen mit dem Team des Technischen Hilfswerks Verschüttete im indischen Erdbeben- Gebiet...

-Von Sascha Müller-

Suche nach Überlebenden Hans-Werner Kunz (links) und Johannes Arnold (rechts) vom THW-Nohfelden suchen in den Trümmern des Ortes Anjar, etwa 40 Kilometer von der Stadt Bhuj entfernt, nach Verschütteten. Die beiden Nordsaarländer gehörten zu einem 30-köpfigen Bergungsteam des Technischen Hilfsdienstwerkes, das mit ausgebildetem Rettungshunden und modernen Ortungsgeräten in der vom Erdbeben zerstörten Region im Einsatz war. Fotos: THW/WEBER

,,Es war das Schlimmste, was ich bisher in einem Einsatz gesehen habe”, beschreibt Rettungshundeführer Johannes Arnoldi (40) vom THW Nohfelden die Situation im Erdbeben-Gebiet um die indische Stadt Bhuj. Dabei hat er bereits umfangreiche Auslandserfahrung, war zuletzt bei den Erdbeben-Einsätzen in der Türkei vor Ort. Er und sein Kollege Hans-Werner Kunz (39) gehörten als Mitglieder des SEEBA-Teams des Technischen Hilfwerks zu den ersten ausländischen Rettungskräften im Katastrophengebiet im Westen Indiens. SEEBA bedeutet ,,Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland”. Fünf Tage lang suchten die 30 Frauen und Männer mit ihren sechs Rettungshunden, modernem Ortungs- und Bergungsgerät nach Überlebenden in den Trümmern der eingestürzten Gebäude.

 "Ich war schon entsetzt über die großflächigen Zerstörungen”, schildert Denis Scheer (30) vom

THW Freisen seine Eindrücke, nachdem er mit dem zweiten Team in der indischen Provinz angekommen war: ,,Bei modernen Stahlbetongebäuden bleiben auch nach einem Einsturz meist noch größere Hohlräume, in denen Menschen überleben können, aber bei alten Steinbauten, wie wir sie dort vorfanden, gibt es so etwas selten.”

Umso mehr muss es wie ein Wunder erscheinen, dass die Helfer aus Deutschland einen 51-jährigen Mann und ein 13-jähriges Mädchen lebend bergen konnten. Was den verschütteten Mann betraf, so habe ihn tatsächlich sein Gebet errettet, erzählen die: THWler: Nachdem sie am Montagmorgen gerufen worden waren und die Hunde anschlugen, versuchten sie die Position des Erdbebenopfers mit den Ortungsgeräten unter den Trümmern genau zu bestimmen.

Kunz berichtet:,,Über die Mikrofone des Ortungsgerätes haben wir ihn beten gehört - das war sein Glück, denn der Mann war taub und hätte auf Zeichen von daher _nicht reagieren können, um sich bemerkbar zu machen.” Die zweite Rettung mag noch mehr als Wunder erscheinen: Nachdem sie 136 Stunden - rund fünfeinhalb Tage- in einem eingestürzten Gebäude verschüttet gelegen hatte, konnte der SEEBA-Trupp das junge Mädchen bergen. Arnnoldi: ,,Das indische Militär hatte uns gerufen, weil sie da noch jemanden vermuteten. Wir sind mit dem Ortungstrupp hin, mussten sie wegen der akuten Einsturzgefahr praktisch mit den Händen ausgraben.” Das Mädchen sei zwar verstört gewesen, aber für die lange Zeit unter dem Schutt noch in guter körperlicher Verfassung. Arnoldi: Als ich Kind auf dem Arm hatte, das war bei der Geburt meines Sohnes.” Die Glucksgefühle, die man empfinde, wenn man einen Uberlebenden finde, könne man nur schwer beschreiben, bestätigt Scheer. Dahinter verblassen dann für kurze Zeit auch all die Schwierigkeiten, auf die ein ausländisches Bergungsteam stößt, wenn es in einem Katastrophengebiet eintrifft. Zuerst habe es Probleme wegen des Weiterflugs von der Millionenstadt Ahmedabad nach Bhuj gegeben. Bei der Ankunft dann hätten sie feststellen müssen,

Trümmerwüste In Anjar blieb nach dem Erdbe- ben kaum ein Stein auf dem anderen.         Das THW unterstützte einheimische Helfer bei der Suche nach Überlebenden.

dass es mit der Koordination vor Ort und dem Einteilen der Einsatzgebiete noch haperte: ,,Bei Katastrophen eines solchen Ausmaßes ist natürlich ein Großteil der Infrastruktur und der Verwaltung vor Ort, die eigentlich zur effektiven Abwicklung der Rettungsmaßnahmen benötigt wurden, völlig zerstört”, so Arnoldi. In den letzten Einsatztagen sei dann, wie Scheer hinzufügt, noch vorübergehend ein Problem mit der Trinkwasseversorgung für das Team hinzugekommen. Nicht zuletzt machte schließlich die Gefahr eines möglichen Nachbebens den Helfern Sorgen. Scheer:

"Während unserer Anwesenheit hat es ein kleineres Beben gegeben. So etwas erhöht natürlich das Bergungsrisiko.”

Trotz aller Strapazen, Gefahren und des Anblicks von immensem Leid sind sich die drei saarländischen Mitglieder des SEEBA- Teams einig: Ihre Rucksäcke sind schon wieder gepackt, falls sie erneut irgendwo in der Welt gebraucht werden. Innerhalb von sechs Stunden wären sie dann wieder mit ihrer Ausrüstung am Frankfurter Flughafen, um zum nächsten Einsatz aufzubrechen. Das geht natürlich nur, wenn auch der Arbeitgeber mitspieIt, der die THWler dazu ohne langes.Hick- hack freistellen muss. Das Bistum Trier, bei dem Arnoldi beschäftigt ist, macht da ebensowenig Probleme wie Saarberg, für die Scheer und Kunz arbeiten.

Weitere Informationen über die Einsätze des THW und über das Technische Hilfswerk selbst gibt es auf dessen Internet- Homepage unter http://www.thw.de

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 07.02.2001

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