Krisen-Manager Nohfeldens Bürgermeister Dr. Heribert Gisch, rechts, machte es den geladenen Gästen beim Neujahrs- empfang der Gemeinde deutlich. Wegen der finanziellen Not-Situation bei den Gemeinden ist mehr ein Krisen-Manager als ein “Schönwetter-Politiker” gefragt. Den meistern Gemeinden steht das Wasser bis zum Hals. Sonderleis- tungen können die Gemeinden nicht mehr leisten, es sei vielmehr Zeit , sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.   Foto: A T B

Finanzielle Situation zwingt die Gemeinde Nohfelden zur Konzentration aufs Kerngeschäft - Bürgermeister Dr. Heribert Gisch lud zum Neujahrsempfang

Neues Jahr, das alte Problem. Auch Nohfeldens Bürgermeister Dr. Heribert Gisch klagt beim Neujahrsempfang über die finanzielle Not-Situation der Gemeinden.

Nohfelden (be).

Der freundlichen Begrüßung folgten ungeschminkte Wahrheiten.

Nohfeldens Bürgermeister Dr. Heribert Gisch ließ keinen der Besucher beim Neujahrsempfang der Gemeinde, Ortsvorsteher, Gemeinderäte, Abordnungen der Feuerwehr-Löschbezirke, Vereinsvorstände und Verbandsvertreter sowie Vertreter aus der Wirtschaft, im Unklaren darüber, was sie im eben begonnen Jahr 2001 vonder Gemeinde zu erwarten haben:

Eine Konzentration auf das “Kerngeschäft”. Dabei, so Gisch, interessiere den Bürger die fällige Reparatur eines Loches in der Straße mehr, als Millionen-Investitionen, für die ohnehin momentan kein Geld greifbar sei. Auf die Kommunalpolitiker käme keine leichte Aufgabe zu.

Früher, so führte der Bürgermeister aus, hätte man vor der Entscheidung gestanden: “Wer gibt wem am meisten?” Heute dagegen stehe die Überlegung im Vordergrund: “Wo können wir noch etwas geben?” Von den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern erhofft sich der Nohfelder Verwaltungschef, dass sie “diese undankbare Aufgabe zumindest nicht erschweren.” Denn es heiße

von lieb gewordenen Dingen Abschied zu nehmen und in den nächsten Jahren unangenehme, weil die Bürger belastende Gebühren zu beschließen.

Wolfgang Kursawe
Christine Andruß-Eigenbrand
Thomas Betz

Brilland umrahmt von drei Darbietungen eines kleinen Ensembles der Musikhochschule des Saarlandes...

Christine Andruß-Eigenbrand (Violine)

Wolfgang Kursawe (Violoncello)

und

Thomas Betz  (Flügel)

Die Gemeinde müsse ihre Rolle neu definieren: “Wir können nicht die Freizeit-Unternehmen des 21. Jahrhunderts sein.”

Gisch spielte dabei an auf die momentane Sportplatz-Erneuerungs-Diskussion in der Gemeinde und des Gemeinderates. In einer Zeit, in der die Gemeinde in allen Bereichen an ihre Grenzen stoße, könne man nicht weitermachen wie bisher. Denn dann werde ein Sportverein noch etwas bekommen, vielleicht auch ein zweiter oder dritter: “Der elfte und zwölfte aber wird ganz sicher hinten runter fallen.” Daher gelte es jetzt, alle Leistungen der Gemeinde zu überprüfen. Es sei zu fragen: “Was geht noch und was macht eigentlich Sinn?” Das führe automatisch zur Klärung der Frage, wo die Gemeinde gefordert sei und wo das Engagement der Bürger beginne. Es ist, so Heribert Gisch, momentan nicht die Aufgabe, “Schönwetter-Politik” zu machen.

Die Ehrenbürger der Gemeinde Nohfelden Alt- Bürgermeister Hermann Scheid und die Sängerin Nicole auf dem Neu- jahrsempfang.

Dabei erinnerte der auch auf Landes- und Bundesebene aktive Kommunalpolitiker auch das Land an seine Verantwortung den Kommunen gegenüber. Die Finanzen der Gemeinden seien nur in den Griff zu bekommen, wenn alle dazu einen Beitrag leisteten. Dabei erwähnte er die im bundesweiten Vergleich (zwischen 28 und 30 Prozent) im Saarland unverhältnismäßig hohe Kreisumlage zwischen über 50 Prozent bei den Landkreisen und über 60 Prozent im Stadtverband Saarbrücken. Gisch, seit über zwölf Jahren Bürgermeister in Nohfelden, riet in dieser Situation zu unkonventionellem Denken. Erneut bezog er sich dabei auf seinen im Herbst vergangenen Jahres eingebrachten Vorschlag, den kommunalen Entsorgungsverband über einen Verkauf zu privatisieren. Das Vermögen aus dieser Veräußerung könne man aktivieren für die Gemeinden. Zum Abschluss seiner Neujahrsansprache gab sich Heribert Gisch

von links nach rechts: Dr. Gisch,     Jörg Wilhelm, Gudrun Herz,         Thomas Berwanger und Bernd Kunz.

 dennoch zuversichtlich: “Krisen schaffen Neues.”

Der Empfang im Sitzungssaal des Nohfelder Rathauses, an dem auch die beiden Ehrenbürger der Gemeinde, Alt-Bürgermeister Hermann Scheid und die Sängerin Nicole teilnahmen, wurde musikalisch brillant umrahmt von drei Darbietungen eines kleinen Ensembles der  Musikhochschule des Saarlandes.

Christine Andruss- Eigenbrand (Violine), Wolfgang Kursawe (Violoncello) und Thomas Betz am Flügel präsentierten Joseph Haydns "Klaviertrio in G-Dur". Abschließend ehrte Gisch, nach eigenem Bekenntnis ein "sportlicher    Blindgänger", die Nohfelder "Sportler des Jahres 2000": Gudrun Herz aus Walhausen, die deutsche Meisterin im Turnierhundesport, Bernd Kunz aus Bosen Vize-Saarlandmeister im Kegeln, Senioren A; Jörg Wilhelm aus Güdesweiler, Mannschaftsführer der 2. Mannschaft des Schützenvereins Neunkirchen/Nahe für die Meisterschaft der C-Klasse/Luftgewehr und Thomas Berwanger, Trainer der Sportfreunde Eiweiler, für die Fußballmeisterschaft in der Kreisklasse B.

Neujahrsempfang2001