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Minutenlangen Beifall gibt es für die Darsteller des Theatervereins "Nahequelle" Selbach: Am Wochenende haben sie drei Mal vor ausverkauftem Haus den Dreiakter "Dummheit schützt vor Liebe nicht" gespielt.

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Wenn sich zwei Frauen um einen Mann streiten:
Sabine Stegmaier, Gerd Becking und Johanna Hornetz begeistern in dem Stück "Dummheit schützt vor Liebe nicht".
Foto: atb

Selbach. Traurig, wenn der alte Bauer stirbt. Nicht ganz so traurig, wenn deshalb Agnes, die Frau des Jungbauern Alfons, Haus und Hof kommandieren kann. Ganz schlimm, wenn dabei Gustav, der geistig benachteiligte Bruder von Alfons, unter die Räder kommt. Nur gut, dass alles nur Theater ist, denn "Dummheit schützt vor Liebe nicht" heißt der Dreiakter von Siegfried Burger, zu dem der Theaterverein "Nahequelle" Selbach am Wochenende in den Saal Birtel eingeladen hat.

Liebe, Lust und Lachen

Theatersaal und Bühne haben etwas von einem Kammerspiel - unmittelbarer Kontakt von der Bühne zum Publikum ist möglich. Die Selbacher Theaterfreunde spielten ihre Geschichte um Liebe, Lust und Lachen gleich drei Mal vor ausverkauftem Haus. Hans Werner Stieren stellt den alten Übergänger Gustav dar, um den sich dann auch die ganze Geschichte dreht. Denn dieser war mit 25 Jahren vom Baum gefallen und ist seither recht einfältig. Nun hat ihn der verstorbene Vater in seinem Testament mit weitreichenden Mitbestimmungsrechten im ererbten Bauernhof ausgestattet. Das soll ihn vor den Übergriffen der herrschsüchtigen Schwägerin schützen, bis Gustav verheiratet ist. Nun soll er so schnell wie möglich unter die Haube. Aber wie bei dem in Liebesangelegenheiten unerfahrenen Junggesellen die nötigen Gefühle wecken? "Eher heirat ä Boddsämer ä Mischdgawwel", fürchtet deshalb Agnes und verdonnert Alfons dazu, den zurückgebliebenen Bruder aufzuklären. Doch so ganz unbedarft wie er scheint, ist Gustav gar nicht. Denn er hat sich bereits Rat und Vorbild bei Nichte Susi und deren Freund Benny geholt. Und ein erstes zartes Verliebtsein ist schon lange am aufkeimen: Rosa, die Zeitungszustellerin, Schulputzfrau und Pfarrersköchin, die täglich die Saarbrücker Zeitung ins Haus bringt, hat Gustavs Herz entflammt. Bruder und Schwägerin bemerken diese ersten zarten Liebesbande genauso wenig, wie sie es bemerken, dass Tochter Susi sich schon seit Tagen nächtens mit ihrem Freund leidenschaftlicher vergnügt. So soll denn auch nach dem Willen der Hausleute Witwe Großmaul, eine Frau, die schon einige Männer unter die Haube und dann unter die Erde gebracht hat, dafür sorgen, dass Gustav aus dem Haus kommt. Doch sie vergreift sich an dem falschen Mann, nämlich an Alfons. Ein heftiges Gezerre setzt ein, als Agnes der Großmaul ihren Mann entreißen will.
Das Theaterstück fordert von dem siebenköpfigen Ensemble einiges ab. Unterschwellige Existenzängste, verborgene Träume und Sehnsüchte, gesellschaftliche Entwicklungen stellen die Laienmimen gekonnt dar. Gerd Becking spielt den großspurigen Bauern, der bei seiner Frau klein beigibt. Seine markante Mimik und deutliche Gestik unterstützen das Spiel wirkungsvoll. Sabine Stegmaier vermittelt die herrschsüchtige Hausherrin, der schon der Schwiegervater ein Dorn im Auge war, glaubwürdig. Kurze, aber glaubwürdige Auftritte hatten die beiden Jungmimen Julia Jung und Andreas Schröder. Tiefgreifender Weltschmerz, Einsamkeit und die Hoffnung auf das eigene kleine Glück zeichnet Ingrid Zöhler als Zeitungsbotin nach. Hans-Werner Stieren geht in seiner Rolle als Gustav voll auf. In hintergründigen Monologen erklärt er dem Publikum, was vordergründig die Verwandtschaft nicht wissen sollte.
Komisch, mit regelrechten Slapstickeinlagen, bringt Johanna Hornetz die Witwe Großmaul auf die Bühne. Das Publikum geht mit dem Spiel mit, fängt die Bälle, welche die Darsteller zuwerfen, auf. Nach etwa 150 Minuten Spielzeit gibt's minutenlang rhythmisches Klatschen und Ovationen. pver

Auf einen Blick

Die Darsteller und ihre Rollen: Gerd Becking als Alfons, Herr des Hauses. Sabine Stegmaier als Agnes dessen Ehefrau. Hans-Werner Stieren als Gustav, Bruder von Alfons. Ingrid Zöhler als Rosa, die Zustellerin der Saarbrücker Zeitung. Julia Jung als Susi, Tocher von Alfons und Agnes. Andreas Schröder als Susis Freund Benny. Johanna Hornetz als Witwe Großmaul.

Weitere Mitwirkende: Edwin Klemm, Regie, Souffleur und Bühnenbau. Reinhold Hornetz, Souffleur. Saskia Haupenthal und Nicole Backes, Maske. pver

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 06.12.2004

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