

Lutz Goldammer betreibt Hundeschlittenfahren als Leistungssport - Fünfter WM-Platz in Cortina d'Ampezzo
Vor Wettkämpfen jagt Lutz Goldammer täglich mit seinen Huskies durch den Nohfelder Wald.
Der Rheinländer begeistert sich seit 1995 für Hundeschlittenrennen und hat beachtliche Erfolge eingefahren.

Schnelles Gespann...
Auf bis zu 30 Stundenkilometer besch- leunigen Lutz Goldammers Schlittenhunde das Gespann. Voraussetzung: Das Vertrauen zwischen Mensch und Tier muss stimmen. Im Nordsaarland holt sich Goldammer die Form für seine Wettkämpfe. Seine Erfolge brachten ihm die Berufung in die deutsche National- mannschaft. Foto: Raubuch
Von KARSTEN NEUSCHWENDER
Saarbrücken/Bosen Der Mann mit der schwarzen, ohrenbedeckenden Fleecemütze und dem nördlich aussehenden rotblonden Bart fährt einen weißen Kombi, der einen Anhänger zieht, auf dem ein Vehikel steht, das entfernt an den Nachbau eines Mondfahrzeuges erinnert. Auf diesem Gefährt lässt Lutz Goldammer sich durch den Wald ziehen - mehrmals die Woche beim Training für seinen Leistungssport. Zweimal ist er bereits Deutscher Meister im Schlittenhunderennen geworden. Wenn Lutz Goldammer auf seinem Stahlwagen mit den dicken, gedrungenen Rädern steht, mit dem er mangels Schnee im saarländischen Hochwald die Schlittenfahrt trainiert, gibt er oft einen sonderbaren hellen Singsang von sich: "Hello Quincy, listen to me." Quincy ist einer seiner beiden Leithunde.
"Die Lenkung der Hunde", sagt Lutz Goldammer, "erfolgt nur über einfache Kommandos. Rein theoretisch kann sich jeder Hund hinlegen und sagen: Schieb deinen Schlitten selbst". Am vergangenen Wochenende startete er mit vier seiner sieben Hunde bei den Weltmeisterschaften im italienischen Wintersportort Cortina d'Ampezzo, an denen über 130 andere Teams teilnahmen. Er errang dabei den fünften Platz.
Seit 1995 betreibt Goldammer das Hundeschlittenfahren als Leistungssport. Mit beachtlichem Erfolg: Neben den deutschen Meisterschaften 2002 und 2004 gewann er in den Jahren 2002 und 2003 den Eurocup. Daneben hat er noch diverse andere Platzierungen vorzuweisen. Lutz Goldammer ist darüber hinaus Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Die Liebe zu seinem Sport entdeckte Goldammer durch die Liebe zu Skandinavien. Dort
machte er oft Urlaub, legte sich 1989 einen Husky zu, und besuchte auch mal ein Rennen - wo er feststellte: Das kann ich auch.Die Kunst des Schlittenhunderennens besteht im Wesentlichen darin, den Tieren den entsprechenden Ablauf zu vermitteln. "Ein Hund ist ein Hund und macht im Wesentlichen, was man ihm beigebracht hat im Rahmen seiner körperlichen, auch genetisch bedingten Fähigkeiten", sagt Lutz Goldammer. "Der Schlittenhund macht keine Fehler. Passieren trotzdem Missgeschicke wie falsches Abbiegen so habe ich es ihm nicht richtig beigebracht."
Höchstens fünf Rennen pro Jahr
Bis zu sieben Mal in der Woche trainiert Goldammer vor Wettkämpfen, von denen er jährlich höchstens fünf bestreitet. Zum Training fährt er von Bosen, wo er seit 15 Jahren wohnt und freiberuflich als Landschaftsplaner und -ökologe arbeitet, auf die vom Forst genehmigte Strecke im Waldgebiet der Gemeinde Nohfelden. Dort lädt er erst einmal den "Schlittenwagen" ab, pflockt ihn in die Erde ein, damit die Hunde ihn nicht vorzeitig wegziehen können, und spannt Hund nach Hund davor. Dann bindet er die Leinen los und zischt ab.
Knapp zwanzig Minuten dauert sein Training derzeit. Bevor es losgeht, sind die Hunde unruhig, energiegeladen und aufgedreht. Nach dem Training schlabbern sie zufrieden an ihrem Wassernapf und strahlen eine bemerkenswerte Ruhe und Gelassenheit aus. Bis zu 30 Stundenkilometer schnell laufen sie im Gespann. Lutz Goldammer trainiert bei Temperaturen von unter 15 Grad Celsius auf einer Strecke zwischen zwei und zehn Kilometern. Mit Intervall-, Ausdauer- und Sprintübungen gleicht das Training dem ganz normalen Lauftraining eines zweibeinigen Sportlers.
Preisgelder und Sponsoring sind rar
Neben dem "schnellen Kurvenfahren" ist es auch das Vertrauen zwischen Tier und Mensch, das Lutz Goldammer fasziniert. "Die Hunde müssen sich vollständig auf mich verlassen können. Ein Beispiel: Auf fremden Rennstrecken kann ich den Hunden zwar die Karte zeigen, aber lesen können sie die nicht", sagt der gebürtige Rheinländer, der nach seinem studienbedingten Umzug ins Saarland seinen heimatlichen Humor ganz offensichtlich beibehalten hat. "Wenn von mir beispielsweise zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Befehl zur Tempoerhöhung kommt oder zum Schlussspurt, dann müssen sich die Hunde auch darauf verlassen können, dass sie das körperlich packen. Einmal überzogen und die Hunde werden daraus lernen, dass sie beim nächsten Mal nicht reagieren und Reserven einbehalten. Anders herum: Ziehen die Hunde in engen Kurven nicht voll durch, so lieg' ich ruck-zuck im Tiefschnee." Das wäre beim Weltmeisterschafts-Rennen in Cortina d'Ampezzo natürlich fatal gewesen.
In Lutz Goldammers Sport gibt es übrigens weder Preisgelder bei den Rennen noch ein nennenswertes Sponsoring. Letztendlich betreibt er also ein professionelles Hobby, das er komplett aus der eigenen Tasche finanziert.
Quelle: SZ v. 02.03.04